

Western & Eastern Cape 2015
Ende November 2015: Wir haben beschlossen, in diesem Jahr noch einmal nach Südafrika zu fliegen. Nachdem wir im März den Osten mit dem Kruger Park besucht haben, ist nun der Westen an der Reihe. Von Kapstadt aus wollen wir bis hinter Gqeberha (damals noch Port Elizabeth) reisen und auf einer anderen Route wieder zurückfahren.
Wir starten am Freitag, dem 27. November. Der Flug über München mit Lufthansa verläuft unspektakulär – ein weiterer Nachtflug, der pünktlich am frühen Morgen in Kapstadt landet. Dann folgt das übliche Prozedere: mühsame Einreiseformalitäten, Warten auf die Koffer, Geld wechseln. Anschließend geht es zur Mietwagenfirma; wir haben uns für ein Allradfahrzeug entschieden, da wir unterwegs auch unsere Fahrkünste im anspruchsvollen Gelände verbessern möchten.
Kurz darauf brechen wir auf – zunächst vorsichtig, um uns wieder an den Linksverkehr zu gewöhnen. Doch da dies bereits unsere zwölfte Reise ins südliche Afrika ist, dauert die Umstellung nicht lange, und die erste Etappe ist ohnehin nicht besonders lang
Unsere Reise beginnt in der malerischen Weinregion im Westen des Landes. Schon nach etwa 30 Kilometern taucht die Spier Wine Farm vor uns auf – ein Ort voller Geschichte, gegründet 1692 und damit einer der ältesten Bauernhöfe in Stellenbosch. Spier verbindet Tradition und Moderne auf natürliche Weise: Ein wunderschön restauriertes Herrenhaus, 21 kapholländische Giebel – mehr als jeder andere Hof in Südafrika – und der älteste datierte Weinkeller des Landes prägen das Bild dieses einzigartigen Anwesens.
Die Farm lädt mit zahlreichen Aktivitäten zum Entdecken ein. Wir starten mit einem entspannten einstündigen Spaziergang über das weitläufige Gelände, wo sich Weinberge, Wiesen und historische Gebäude zu einer stimmungsvollen Kulisse verweben. Danach steigen wir auf die Segways und gleiten durch die Reben – eine unterhaltsame und überraschend eindrucksvolle Art, die Landschaft und die Geschichte des Weinguts noch näher kennenzulernen





Langsam macht sich ein Hungergefühl breit – es wird Zeit, fürs Mittagessen zu sorgen. Nur rund 30 Minuten entfernt liegt das Delaire Graff Estate mitten in den Weinbergen (wobei das hier keine Kunst ist, schließlich liegt praktisch alles mitten in den Weinbergen). Das luxuriöse Weingut ist bekannt für seine preisgekrönten Weine, außergewöhnliche Kunstsammlungen, Gourmet-Restaurants, ein exklusives Spa und atemberaubende Gärten mit Panoramablick über Reben und Tal.
Das Anwesen bietet Unterkünfte in eleganten Lodges mit privaten Pools und Butler-Service und verbindet Weinbau, Kunst, Gastronomie und Luxus zu einem einzigartigen Erlebnis. Wir genießen einen Hauch dieses Luxus bei einem ausgiebigen Mittagessen








Am Nachmittag führt der Weg weiter durchs Weinland, nach Paarl, einem der touristischen Orte in der Gegend. Von hier auf die Autobahn N1 bis Worcester und dann die R60 bis Robertson, einem der ruhigeren Orte im Weinland Insgesamt ist die Tagesstrecke knapp 300 Kilometer lang.

Das Robertson Small Hotel – ein luxuriöses 5-Sterne-Boutique-Hotel im Breede River Valley – verbindet historischen Charme mit modernem Design. Suiten im viktorianischen Stil, ein erstklassiges Restaurant, ein Spa und zwei Pools liegen eingebettet in einer ruhigen, grünen Umgebung. Wir beziehen eine der Pool Suiten, von deren Terrasse man direkt in den Pool steigen kann.
Der Tag war lang, und während des Nachtfluges haben wir kaum geschlafen – entsprechend müde sind wir. Nach einer kurzen Erholungspause auf der Terrasse gehen wir zu einem frühen Abendessen ins Restaurant und fallen kurz darauf erschöpft, aber zufrieden, ins Bett.







29. November: Heute ist der Weg das Ziel, wir befahren die Route 62, sie hat ähnlichen Kultstatus in Südafrika wie die Route 66 in den USA.
Die Route 62 ist nicht einfach eine Straße – sie ist Südafrikas spektakulärstes Straßenepos. Kilometer für Kilometer entfaltet sich hier das größte Panorama-Abenteuer zwischen Atlantik und Karoo, eine Bühne aus endlosen Weiten, dramatischsten Pässen und sonnentrunkensten Dörfern. Wer sie befährt, durchquert das poetischste Wechselspiel aus Halbwüste und Weingärten, wo die Berge in den Himmel schneiden und die Täler im strahlendsten Grün explodieren.
Kurz gesagt: Die Route 62 ist die grandioseste Antwort Südafrikas auf das Fernweh – lauter, farbiger, freier als jede Vorstellung und unvergesslicher als jedes Postkartenmotiv.


Den ersten, für uns spektakulären Stopp haben wir bereits in Montagu, nur 30 Kilometer vom Start entfernt. Die Stadt ist bekannt für seine Thermalquellen und die kapholländische Architektur. Doch uns fasziniert noch etwas anderes, in einem Garten, direkt an der Hauptstraße sitzen in Bäumen mindestens 100 Ibisse (African Sacred Ibis) und vereinzelt einige Kuhreiher, (Cattle Egret) ein unglaubliches Schauspiel.





Weiter geht es auf der R62, vorbei an Barrydale und Ladismith, hinein in die Weite der Kleinen Karoo. Die Landschaft ist atemberaubend – karge Hügel, offene Ebenen, schimmernde Farben im grellen Sonnenlicht. Auf diesen endlosen Straßen sind wir fast allein unterwegs. Ein fantastisches Gefühl – genau so muss Afrika sein.







Wir gönnen uns eine Mittagspause, mittlerweile hat es 37 Grad, in einem Weingut der Karroo. De Krans liegt im Gamka-Tal in Calitzdorp. Seine traditionsreiche Geschichte reicht bis ins Jahr 1890 zurück, der heutige Weinkeller wurde 1964 erbaut. Die Farm ist weithin bekannt als einer der führenden Produzenten von Portweinen und als eines der innovativsten Weingüter Südafrikas.



Weiter geht es über Oudtshoorn, die Straußenhauptstadt Südafrikas, unserem heutigen Ziel entgegen: der Zwartberg View Mountain Lodge. Sie liegt eingebettet in den Hügeln und bietet einen herrlichen Ausblick über die weite Karoo. Insgesamt legen wir heute – inklusive einiger kleiner Abstecher – rund 300 Kilometer zurück.

Die Lodge bezeichnet sich selbstbewusst als ‚Wildtierlodge‘ – in der Realität erinnert das Ganze jedoch eher an einen charmanten Streichelzoo: ein paar Zebras und Antilopen, die brav vor dem Haus gefüttert werden und offensichtlich Stammgäste sind. Von der Giraffe, die angeblich irgendwo im Gelände unterwegs sein soll, fehlt allerdings jede Spur.
Die Chalets sind klein, äußerst gemütlich und bieten einen fantastischen Ausblick – wirklich eine besondere Unterkunft. Beim Abendessen, wir sind übrigens die einzigen Gäste, leisten uns die tierischen Mitbewohner höflich Gesellschaft. Und als krönenden Abschluss bekommen wir einen Sternenhimmel serviert, der so spektakulär ist, dass selbst die Milchstraße aussieht, als hätte sie sich für uns extra herausgeputzt







30. November: Frühmorgens wache ich mit Magenproblemen auf, anscheinend habe ich vom Abendessen etwas nicht vertragen. Schlecht kann es nicht gewesen sein, denn Christine ist topfit.
Etwas ungünstig heute denn es steht eine längere Etappe an. Trotzdem unternehmen wir vor dem Frühstück noch eine kleine Wanderung, um diese grandiose Landschaft zu bewundern.




Nach dem Frühstück beginnt unser Tag, wobei ich mich aus Rücksicht auf meinen Magen nur mit einer Tasse Tee begnüge. So vermeide ich es, meinen ohnehin schon empfindlichen Magen noch weiter zu belasten.
Die Straßen, die wir heute befahren, befinden sich in einem sehr guten Zustand. Dadurch gestaltet sich die Fahrt bis zu unserem ersten Ziel, dem Valley of Desolation im Camdeboo National Park, oberhalb der Stadt Graaff-Reinet, angenehm und entspannt.
Das Valley of Desolation beeindruckt mit einer dramatischen Landschaft: Bis zu 120 Meter hohe, senkrechte Doleritsäulen, die im Laufe von Millionen Jahren durch vulkanische Aktivitäten und Erosion entstanden sind, prägen das Panorama. Von den Aussichtspunkten aus eröffnet sich ein atemberaubender Blick über die weite Karoo-Ebene. Die erhabene Stille und die Schönheit der Natur lassen sich hier ganz besonders intensiv erleben.
Bereits 2006 hatten wir diesen Ort besucht. Ursprünglich war diesmal eine kleine Wanderung geplant, jedoch verzichten wir darauf, da mein Magen immer noch Probleme macht. Stattdessen genießen wir die herrliche Aussicht von den verschiedenen, mit dem Auto erreichbaren Aussichtspunkten und lassen die besondere Atmosphäre auf uns wirken.




Der nächste Halt ist auch schon unser Etappenziel. Der Mountain Zebra Nationalpark, ein Reservat das 1937 zum Schutz des gefährdeten Kap-Bergzebras gegründet wurde und heute eine bedeutende Population beherbergt. Der Park zeichnet sich durch eine vielfältige Landschaft aus Karoo-Halbwüste, schroffen Bergen, Hochebenen und Tälern aus und bietet neben Zebras auch Büffel, Geparden und diverse Antilopenarten. Wir checken im Rest Camp ein und ich versuche mich etwas zu erholen.



Nachdem wir die erholsame Ruhephase eingelegt haben, verbesserte sich mein Befinden etwas. Aus diesem Grund entschließen wir uns, eine Fahrt durch den Park zu unternehmen. Obwohl wir uns ursprünglich vorgenommen hatten, die anspruchsvollen 4x4-Routen zu befahren, entschieden wir uns schließlich schweren Herzens dagegen und bleiben auf den Hauptwegen.
Mittlerweile ist auch die Temperatur deutlich gesunken und liegt nur noch bei knapp 30 Grad Celsius. Mit der abnehmenden Hitze werden die Tiere nach und nach wieder aktiver. So können wir die verbleibende Zeit im Park in vollen Zügen genießen und erleben noch viele faszinierende Tierbeobachtungen.









Die heutige Fahrstrecke betrug inkl der Runde im Park 490 Kilometer

01. Dezember: In der Nacht haben sich zu den Magenproblemen auch noch Fieber, Erbrechen und Schüttelfrost dazugesellt. Wir bleiben so lange wie möglich im Camp und fahren erst kurz vor Mittag ab. In Cradock noch schnell eine Apotheke aufgesucht und jede Menge Medikamente besorgt. Dann machen wir uns auf dem schnellsten Weg zur nächsten Unterkunft. An den geplanten Besuch des Addo-NP ist nicht zu denken. Die Fahrt mit 240 Kilometer ist knapp drei Stunden lang.
Das Camp Figtree liegt auf der Bergkette der Zuurberg Mountains, eingebettet zwischen dem Addo Elephant National Park und dem Schutzgebiet Riverbend Conservancy. Eine überwältigende Naturkulisse mit Blick auf Berge, Schluchten und Täler. Das Camp ist im kolonialen Stil gestaltet – inspiriert vom alten Farmhaus der 1920er Jahre. Charakteristisch sind Wellblechdächer, große Veranden und breite Terrassen, die ein nostalgisches, komfortables Flair schaffen.
Wir haben eines der Luxuszelte mit grandiosem Ausblick, von dem ich allerdings nicht viel habe. Ich gehe sofort ins Bett, und dort bleibe ich bis morgen früh – bestens betreut von Christine, die nicht viel anderes machen kann, als auf der Terrasse zu sitzen und ins endlose Grün zu starren.






02 Dezember: Es geht etwas besser aber an den ursprünglichen Plan ist nicht zu denken. Eigentlich wäre heute eines der Highlights der Reise auf dem Programm gestanden. Der Bedrogfontein 4×4 Trail, eine spannende Offroad-Route, bekannt für ihre abwechslungsreiche, schöne Landschaft und voller Herausforderungen. Zwischen Kabouga und Darlington bietet sie atemberaubende Ausblicke und ist reich an Geschichte. Auf dieser Route fanden während des Burenkrieges erbitterte Kämpfe zwischen britischen und afrikaanssprachigen Truppen statt. Überall in der Gegend finden sich Felsmalereien. Die Strecke führt durch verschiedene Vegetationstypen, von Flussufergebüsch über Bergwald bis hin zu Fynbos auf den Gipfeln und in die trockene Nama-Karoo-Region um Darlington.
Stattdessen unternehmen wir ein Alternativprogramm: eine Pirschfahrt im nahegelegenen Addo Elephant Park – und das ist wahrlich keine schlechte Wahl. Mehrere Stunden lang erkunden wir, vor allem im nördlichen Teil, nahezu jede erreichbare Piste und erleben dabei einige beeindruckende Tierbegegnungen. Es ist bereits unser dritter Besuch in diesem Park, doch es bleibt jedes Mal ein unvergessliches Erlebnis, den grauen Riesen so hautnah zu begegnen. Besonders hervorzuheben ist die äußerst seltene Sichtung von zwei Geparden. Ein rundum großartiger, unvergesslicher Tag.












Am Nachmittag geht es wieder ins Camp und nach einer neuerlichen Ruhephase kann ich am Abend die Aussicht vom Restaurant genießen und sogar eine Kleinigkeit essen. Der Blick bei schwindendem Sonnenlicht über das satte Grün ist unbeschreiblich.



03. Dezember: Auf zum nächsten Ziel. Wir fahren durch den Addo Park von Nord nach Süd, dauert zwar sehr viel länger als auf der normalen Landstraße ist aber auch umso aufregender. Nochmals haben wir viele Begegnungen mit den afrikanischen Wildtieren und als Krönung das erste Mal in diesem Park eine Löwensichtung. Wir benötigen für die 40 Kilometer lange Strecke fast drei Stunden.








Nachdem wir den Addo Elephant National Park durch das Matyholweni Gate im Süden verlassen, folgen wir zunächst der N2 und anschließend der R72. Unser Ziel ist der Eingang zum Kariega Game Reserve, der sich kurz hinter Alexandria befindet.
Unsere Unterkunft, die Settlers Drift Lodge, können wir von diesem Punkt aus sogar bequem mit dem Boot erreichen. Allerdings sind wir dafür bereits etwas spät dran, und zudem müssten wir unser halbes Auto ausräumen. Deshalb entscheiden wir uns, die rund zehn Kilometer bis zur Lodge selbst mit dem Auto zurückzulegen. Dank unseres Allradantriebs sind auch die anspruchsvolleren Abschnitte der Strecke kein Problem.
Obwohl die heutige Strecke durch den Park zeitlich recht lang war, betrug die zurückgelegte Distanz insgesamt nur etwa 160 Kilometer.


Wir sind nach 2006 zum zweiten Mal in Kariega – damals gab es nur eine einzige Lodge, und das Reservat umfasste bescheidene 2.000 Hektar. Heute erstreckt sich die Wildnis über beeindruckende 12.000 Hektar und beherbergt fünf unterschiedliche Unterkünfte. Settlers Drift liegt in einem abgelegenen, unberührten Teil des Kariega-Reservats und bietet ein außergewöhnliches Luxus-Zelt-Safari-Erlebnis. Die Lodge besteht aus neun großzügigen Zeltsuiten, jede mit einem weiten, atemberaubenden Blick über die Landschaft und privaten, abgeschiedenen Aussichtsdecks. Ein spektakuläres Haupthaus ergänzt das Gesamtbild und verleiht dem Ort eine besondere Eleganz.











Wir werden zwei Nächte hier verbringen und jeweils morgens und nachmittags an einer Pirschfahrt teilnehmen. Das bedeutet, dass wir nicht selbst fahren müssen, sondern rundum versorgt werden. Ich bin dankbar für diese kleine Auszeit – der Infekt im Körper hält leider an, und ich fühle mich ziemlich erschöpft. Jede ruhige Phase nutze ich zur Erholung, möchte diese Reise jedoch auf keinen Fall abbrechen oder auf Programmpunkte verzichten.
Die Nachmittags-Pirschfahrt hat dann auch gleich einiges zu bieten: Elefanten, Rhinos, Elenantilopen, Gnus, Waterbuck, Nyalas, Impalas usw…. und zu guter Letzt noch ein Löwenpärchen, so kann es weitergehen.









Abends versammeln sich alle Gäste der Lodge zu einem gemeinsamen Dinner an der großen Tafel. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, die Erlebnisse des Tages Revue passieren zu lassen, Geschichten auszutauschen und in entspannter Atmosphäre einen wirklich angenehmen Abend miteinander zu verbringen.




04. Dezember: Ein wirklich entspannter Tag – wenn man einmal davon absieht, bereits um 05:30 Uhr geweckt zu werden. Nach drei Stunden Morgenpirsch erwartet uns ein ausgiebiges Frühstück, gefolgt von ein paar ruhigen Stunden zum Ausspannen, bevor es am Nachmittag erneut für rund vier Stunden hinaus ins Gelände geht. Die Begegnungen mit der afrikanischen Tierwelt sind dabei wieder etwas ganz Besonderes – jedes Tier, jede Szene, jeder Moment wirkt einzigartig und berührt aufs Neue.














05. Dezember: Frühmorgens brechen wir noch einmal zur Pirschfahrt auf – diesmal im Regen. Auf dem offenen Landcruiser wird jede Windböe zur kleinen Prüfung, und die Tropfen peitschen uns ins Gesicht. Doch die Mühe lohnt sich: Als besonderen Höhepunkt entdecken wir eines der seltenen, scheuen Spitzmaulnashörner, und das in erstaunlich geringer Entfernung. Ein Moment von beeindruckender Intensität, der selbst ein völlig durchnässtes Herz höher schlagen lässt.








Nach dem Frühstück brechen wir auf, und wie aus heiterem Himmel ziehen die Regenwolken der vergangenen Tage davon. Die Sonne tritt hervor und strahlt warm vom Himmel – ein Anblick, den wir schon schmerzlich vermisst hatten. Die kurze Strecke von 34 Kilometern führt uns nach Kenton on Sea, einen malerischen und ruhigen Küstenort an der südafrikanischen Sunshine Coast. Bekannt für seine unberührten, feinsandigen Strände, weiten Dünenlandschaften und die Mündungen des Kariega- und Bushmans-Flusses, erwartet uns dort kristallklares Wasser, das sich in natürlichen Felsenpools sammelt.
Wir spazieren entspannt entlang des Middle Beach, genießen die sanfte Brise und die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut.




Nun haben wir den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht – von hier an führt unser Weg wieder Richtung Westen. Die Route bringt uns durch Gqeberha, eine der größten Städte Südafrikas und die bedeutendste Metropole im Ostkap. Wir kennen die Stadt bereits von einer früheren Reise und können ihr leider nicht allzu viel abgewinnen.
Unser eigentliches Ziel liegt noch etwas weiter westlich: Oyster Bay, ein Ort, der für seine malerische Küstenlandschaft und seine friedvolle Abgeschiedenheit bekannt ist.
Insgesamt erwartet uns heute eine Strecke von 280 Kilometern.

Wir beziehen unser Quartier in der Oyster Bay Lodge, ein wunderschönes Küstenreservat auf 235 Hektar mit herrlichen Dünen, Wäldern, Flussdeltas, Stränden, Feuchtgebieten, Lagunen und sogar freilaufenden Pferden. Doch kaum angekommen, erreicht uns eine traurige Nachricht aus der Familie – ein Schatten, der unsere Stimmung in dieser traumhaften Umgebung spürbar dämpft. So verzichten wir auf große Unternehmungen und beschränken uns auf eine lange, stille Strandwanderung, bei der das Rauschen der Wellen und der weite Horizont zumindest für einen Moment Trost spenden.





06. Dezember: Nach einer schlaflosen Nacht ziehen wir schon in den frühen Morgenstunden, noch vor dem Frühstück, hinunter zum Strand. Außer uns sind nur zwei Hunde unterwegs, die lautlos durch den feuchten Sand streifen. Wir lassen uns von der herrlichen Brise den Kopf freiblasen, versuchen, die Gedanken zu ordnen und etwas Abstand zu den Ereignissen zu gewinnen.
Während wir am Wasser entlanggehen, diskutieren wir, ob wir die Reise abbrechen und nach Hause zurückkehren sollten – zumal sich auch meine gesundheitliche Situation kaum verbessert hat. Doch am Ende der langen, stillen Wanderung treffen wir unsere Entscheidung: Wir bleiben. Trotz aller Widrigkeiten.





Wir setzen unsere Reise fort und erreichen bei Storms River den Anfang – oder das Ende, je nach Blickrichtung – der Garden Route. Diese berühmte Panoramaroute an der südöstlichen Küste Südafrikas ist bekannt für ihre üppige Vegetation, die abwechslungsreichen Landschaften und die malerischen Küstenabschnitte. Nicht ohne Grund zählt sie zu den beliebtesten Reisezielen des Landes.
Unser erster Halt ist der Tsitsikamma Nationalpark, ein Teil des Garden Route Nationalparks. Dieses atemberaubende Schutzgebiet beeindruckt mit seiner dramatischen Küstenlinie, wo steile Klippen und die kraftvollen Wellen des Indischen Ozeans auf immergrüne, uralte Wälder treffen. Riesige Yellowwood-Bäume ragen hier in den Himmel, durchzogen von Flüssen und tiefen Schluchten wie jener des berühmten Storms River.
Wir wandern den bekannten Mouth Trail entlang – eine einfache, aber eindrucksvolle Route, die über gut ausgebaute Holzstege durch den Wald führt und schließlich zu drei Hängebrücken gelangt, die spektakulär über der Mündung des Storms River schwingen.






Auf zum nächsten Highlight: dem Robberg Nature Reserve – einer atemberaubenden Halbinsel, deren zerklüftete Küsten, weitläufige Dünen und malerische Sandstrände zu den eindrucksvollsten Landschaften der Garden Route zählen. Drei markierte Wanderwege – The Gap, Witsand und The Point – erschließen das Gebiet und bieten ideale Bedingungen zur Beobachtung von Robben und Seevögeln sowie mit etwas Glück auch Delfinen oder vorbeiziehenden Walen. Zudem beherbergt das Reservat historische Stätten wie die Nelson Bay Cave, die Einblicke in Jahrtausende alte Besiedlungsgeschichte gewährt. Ein absolutes Muss für alle, die die Garden Route zu Fuß erkunden.
Wir entscheiden uns für die mittlere Route, Witsand, eine knapp fünf Kilometer lange Tour, die uns zu einem herrlichen Sandstrand führt – ein Ort, an dem die Brandung rhythmisch den Atem der Natur wiedergibt.









Nach den vielen Wanderungen des heutigen Tages sind wir schließlich ziemlich erschöpft, und auch der Abend kündigt sich langsam an. Zum Glück liegt unsere Unterkunft, die Tsala Treetop Lodge, nicht mehr weit entfernt – nur eine knappe halbe Stunde Fahrt trennt uns noch von wohlverdienter Entspannung. Insgesamt haben wir heute rund 200 Kilometer zurückgelegt.

Die Lodge ist etwas ganz Besonderes: wie eine wiederentdeckte afrikanische Ruine gestaltet und zugleich perfekt in die Baumkronen des Waldes eingebettet. Ein Netz aus hölzernen Stegen verbindet die einzelnen Unterkünfte mit dem Hauptgebäude, sodass man sich fühlt, als würde man zwischen den Bäumen schweben. Jede Suite und jede Villa besitzt ein privates Sonnendeck sowie einen eigenen Infinity-Pool – ein Ort absoluter Ruhe und Zurückgezogenheit.
Zum Abschluss des Tages genießen wir ein herrliches Abendessen im renommierten Restaurant Zinzi und lassen uns von einem wundervollen Sonnenuntergang verzaubern.









07. Dezember: Wir starten früh in den Tag, denn heute liegt wieder eine etwas längere Etappe vor uns. Die Reise führt uns weiter entlang der Garden Route bis nach Wilderness, einem Ort, der malerischer kaum gelegen sein könnte: umgeben von glitzernden Seen, einer stillen Lagune, weiten Dünenlandschaften, einem schier endlosen Traumstrand und den majestätischen Outeniqua-Bergen.
Wir schlendern ein Stück am Strand entlang und lassen das beeindruckende Panorama auf uns wirken, verweilen jedoch nicht allzu lange – so verlockend die Szenerie auch ist. Die heutige Strecke ist noch lang und stellt uns vor einige Herausforderungen.



Kurz hinter Heidelberg verlassen wir die Hauptroute – und mit ihr die Teerstraßen. Von nun an beginnt ein Abschnitt, der so typisch für Afrika ist: die endlosen Gravel Roads. Diese unbefestigten Schotterpisten mit ihrer Kiesoberfläche reichen von gut befahrbaren, leicht holprigen Wegen bis hin zu Strecken mit tiefen Spurrillen und ausgeprägtem Wellblech, die jedes Fahrwerk fordern. Oft sind Allradfahrzeuge von Vorteil, um sowohl Fahrspaß als auch Sicherheit zu gewährleisten. Doch gerade diese Straßen machen einen wichtigen Teil des Abenteuers aus: rau, authentisch und eingebettet in eine Landschaft, die mit jedem Kilometer ursprünglicher zu werden scheint. Für normale PKWs jedoch sind sie nicht selten eine echte Herausforderung.
Bei Malgas – genauer gesagt am Malgas Pont – erreichen wir eine besondere Sehenswürdigkeit: die letzte handbetriebene Ponton-Seilfähre Südafrikas. Sie bringt Menschen und Fahrzeuge bis zu zehn Tonnen Gewicht, maximal drei Autos zugleich, über den breiten Breede River im Western Cape. Diese historische Fähre ist ein lebendiges Stück Kulturerbe und bietet eine Überfahrt fernab der großen Verkehrswege. Betrieben wird sie von kräftigen Männern, die das Ponton an einem dicken Stahlseil rund 120 Meter über den Fluss ziehen – langsam, kraftvoll und für Reisende ein einzigartiges, fast schon zeitentrücktes Erlebnis.





Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ziel – und es gehört zu unseren absoluten Lieblingsorten in dieser Region: das De Hoop Nature Reserve. Dieses UNESCO-Weltnaturerbe begeistert mit einer spektakulären Küstenlandschaft, gewaltigen Sanddünen, stillen Lagunen und der einzigartigen Fynbos-Vegetation. Die Tierwelt ist ebenso beeindruckend: Antilopen, Zebras und unzählige Vogelarten durchstreifen die weiten Ebenen. In den Monaten Juni bis November gilt De Hoop zudem als einer der besten Orte zur Walbeobachtung; dann ziehen Südkapwale dicht an der Küste vorbei und bieten unvergessliche Anblicke.
Die heutige Tagesetappe umfasst insgesamt 320 Kilometer.

Die Unterkünfte im De Hoop Nature Reserve (De Hoop Collection) bieten eine ganz besondere Naturerfahrung und eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten. Wir entscheiden uns für eines der Selbstversorger-Cottages – auch wenn wir nicht selbst kochen werden, sondern das Angebot des Fig Tree Restaurants nutzen.
Den restlichen Nachmittag verbringen wir damit, in aller Ruhe anzukommen und die vielen Tiere zu beobachten, die hier völlig frei über die Rasenflächen ziehen. Später essen wir eine Kleinigkeit und lassen den Tag auf unserer Terrasse ausklingen, während über uns ein beeindruckender Sternenhimmel aufleuchtet.





08. Dezember: Den Vormittag nutzen wir für eine Runde durch das Reservat, einen ersten Blick auf die Dünen und das Meer und vor allem auf die Tierwelt.











Für den Nachmittag haben wir uns ein ganz besonderes Highlight ausgesucht: Gemeinsam mit einem Guide brechen wir zu einer Quad-Tour durch das Reservat auf. Dieses Erlebnis ist nicht nur ein unglaublich großer Spaß, sondern auch außergewöhnlich informativ – wir erhalten faszinierende Einblicke in die spektakuläre Fauna und die einzigartige Flora des Gebiets. Und da wir die Tour nur zu zweit unternehmen, fühlt sie sich an wie eine exklusive Privatexpedition durch ein scheinbar endloses Meer aus Fynbos, das in seiner Ursprünglichkeit kaum zu übertreffen ist.








Am frühen Abend fahren wir noch einmal hinunter zum Meer. Da sich mein Gesundheitszustand leider wieder verschlechtert hat und ich mich zunehmend erschöpft fühle, begnügen wir uns mit einer kurzen Runde am Strand. Schließlich setzen wir uns auf die warmen Felsen und lassen den Blick über die Wellen schweifen. Vor uns entfaltet sich ein wahres Paradies für Seevögel – unzählige Arten segeln lautlos über das Wasser oder ruhen auf den Klippen. Unter ihnen der Gelbnasenalbatros, die Kapmöwe, die Raubseeschwalbe, die Graukopfmöwe, Austernfischer, sowie Eis- und Brandseeschwalben und viele weitere gefiederte Bewohner dieser wilden Küstenlandschaft. Ein stiller, eindrucksvoller Moment, der uns tief berührt.









09. Dezember: Heute steht erneut eine Programmänderung an. Eigentlich wollten wir einen Teil des berühmten Whale Trail begehen – einer 55 Kilometer langen Mehrtageswanderung, die von Potberg nach Koppie Alleen durch das De Hoop Nature Reserve führt und größtenteils entlang der spektakulären Küste verläuft, mit Übernachtungen in rustikalen Selbstversorger-Cottages. Für uns wäre der 7,1 Kilometer lange Abschnitt bei Koppie Alleen vorgesehen gewesen, der auch für Tageswanderer zugänglich ist.
Doch unser Alternativprogramm kann sich ebenfalls sehen lassen: Wir streifen durch die gewaltigen Dünen, setzen uns in den warmen Sand, spüren die Sonne und den sanften Wind auf der Haut und lassen die Zeit ganz bewusst langsam vergehen. Ein stiller, fast meditativer Tag – und vielleicht genau das, was wir gerade brauchen.









Mittags setzen wir unsere Reise fort – zum Glück liegt unser heutiges Ziel nicht allzu weit entfernt. Die Fahrt führt uns dennoch zwei Stunden lang über die Gravel Roads, rund 150 Kilometer durch eine wundervolle, weit ausgebreitete Landschaft, die hier in erster Linie landwirtschaftlich genutzt wird. Sanfte Hügel, weite Felder und kleine Farmen ziehen an uns vorbei und verleihen der Strecke eine ruhige, fast zeitlose Atmosphäre.

Kurz hinter Stanford an der Walker Bay liegt das Springfontein Wine Estate. Es ist nicht nur ein Winzerbetrieb, sondern bietet auch ausgezeichnete Unterkunftsmöglichkeiten: ruhig, naturnah und voller Charme. Hinzu kommt das feine Restaurant Wortelgat Wine Dining mit seinen mehrgängigen Menüs, die häufig Zutaten vom eigenen Weingut oder aus der Region verwenden und mit viel Ambition zubereitet werden. Wir genießen einen ruhigen Nachmittag und sind bereits gespannt auf das Abendmenü.







10. Dezember: Das Menü gestern Abend war fantastisch, köstlich und reichlich. Für meinen Körper allerdings zu reichlich – mir geht es gar nicht gut; das war wirklich eine falsche Entscheidung.
An ein ausgedehntes Besichtigungsprogramm ist heute nicht zu denken, und so machen wir uns auf den Weg zu unserem letzten Ziel der Reise. Einen kurzen Stopp legen wir noch bei Stony Point ein. Hier gibt es eine lebhafte Kolonie Afrikanischer Pinguine, die über Holzstege aus nächster Nähe beobachtet werden kann, ohne die Tiere zu stören. Die Kolonie beherbergt Tausende von Pinguinen und gilt als einer der ruhigeren Orte, um diese Vögel zu beobachten. Neben den Pinguinen sind auch Kormorane, Möwen und Klippschliefer zu sehen, die sich in der rauen Felsküste tummeln. Ein unbeschreibliches Spektakel.





Und dann erreichen wir nach zweieinhalb Stunden Fahrt und 145 Kilometern den letzten Punkt unserer Reise: Aaldering, das Weingut bei Stellenbosch. Wir waren schon einmal hier und finden, dass es ein optimaler Ort ist, um eine Reise in dieser Region langsam ausklingen zu lassen. Es gibt drei großzügige Apartments mit großer Terrasse, einem grandiosen Frühstück und zahlreichen Möglichkeiten, in der Umgebung etwas zu unternehmen.




11. Dezember: Der Tag gehört der Erholung. Ich bleibe die ganze Zeit im Bett und versuche, Fieber, Nierenschmerzen und Erschöpfung in den Griff zu bekommen, während Christine den Tag auf der Terrasse verbringt. Wir versuchen zudem, telefonisch mit einem Arzt in Österreich die Symptome abzuklären, doch daraus lässt sich keine klare Diagnose erstellen.

12. Dezember: Wir fahren am Vormittag noch einmal durchs Weinland und lassen die sanften Hügel und endlosen Rebenreihen an uns vorbeiziehen. Mittags landen wir in einem unserer Lieblingslokale, dem Terroir, dem Gourmetrestaurant des Weinguts Kleine Zalze. Um meinen Magen zu schonen, bleibt es dieses Mal bei einem kleinen Salat, den ich dennoch genieße.
Am späten Nachmittag machen wir uns noch auf den Weg in das historische Zentrum von Stellenbosch, bummeln durch die warmen, leicht geschäftigen Straßen und lassen die Atmosphäre der alten kapholländischen Häuser auf uns wirken. Wir beenden die Tour mit einem Glas guten südafrikanischen Weins, bevor wir nach Aaldering zurückkehren – gerade rechtzeitig, um mitzuerleben, wie sich Südafrika mit einem wundervollen Sonnenuntergang von uns verabschiedet.










14. Dezember Heimreise: Noch vor Sonnenaufgang brechen wir auf und fahren das kurze Stück zum Flughafen von Kapstadt. Die Straßen sind um diese Uhrzeit fast menschenleer, und die ersten warmen Farbtöne des Tages liegen wie ein Schleier über der Landschaft. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir den Flughafen. Die Rückgabe unseres Ford Rangers, der uns in den vergangenen 16 Tagen zuverlässig begleitet und durch Städte, Berge und Küsten getragen hat, verläuft völlig problemlos.
Kurz darauf sitzen wir in der Lounge. Ich nutze die Gelegenheit, mich ein wenig auszuruhen, bevor das Boarding beginnt.
Auf dem Rückflug über München nehme ich aufgrund meiner Kreislaufprobleme und der Erschöpfung kaum etwas wahr – die Stunden verschwimmen, und schon wenig später geht es direkt weiter zum Arzt. Schließlich werde ich einige Tage im Krankenhaus verbringen …
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Fazit der Reise:
Es war bereits unser fünfter Besuch in dieser Ecke Südafrikas. Vieles kennen wir inzwischen gut, anderes haben wir zum ersten Mal erlebt – und dennoch bleibt das Gefühl, dass wir erst einen Bruchteil dieses wunderschönen Landes gesehen haben. Seine Landschaften, Menschen und Orte bieten so viel Vielfalt, dass der Stoff für weitere Reisen beinahe unerschöpflich scheint.