

ITALIA & FORTE DEI MARMI 2020
Juni 2020, unvorstellbar wie die ganze Welt Kopf steht, der Coronavirus hat den Erdball fest im Griff. Nach 46 Tagen Lockdown versucht man seit Anfang Mai so etwas wie Normalität zu vermitteln, sofern das mit Maske und fast täglicher Virus-Tests überhaupt möglich ist. Wir hatten viel vor in diesem Jahr, die bereits gebuchten Reisen nach New York, London und die Salzburger Osterfestspiele mussten wir bereits stornieren.
Österreichs Grenzen sind zu, aber es besteht die Möglichkeit in Italien einzureisen und das wollen wir nützen, auch wenn wir nicht wissen ob wir bei der Rückkehr in Quarantäne müssen.
So planen wir wie jedes Jahr die Italienreise mit Hauptaugenmerk auf die Woche Badeurlaub in Forte die Marmi.
Start ist am Mittwochnachmittag den 10. Juni 2020 und wir hoffen es möge alles gut gehen. Die erste Etappe ist kurz, wir machen Station am Wörthersee und werden bei Hubert Wallner zu Abend essen (damals noch im Seerestaurant Saag). Ein perfekter Abend, auch wenn das Servicepersonal mit den ständig präsenten Masken ungewohnt und etwas befremdlich wirkt.












Nun geht es weiter nach Südtirol, an den Kalterer See. Wir überqueren bei Sillian die Grenze ins Pustertal, und schon dort zeigt sich ein ungewohntes Bild: Der sonst so ruhige Grenzübergang ist nun hermetisch abgeriegelt. Hinaus kommt man problemlos, doch die Rückkehr nach Österreich ist nur mit Genehmigung und negativem Test möglich.
In Kaltern angekommen, checken wir frühzeitig im Torgglhof ein – einem familiengeführten Haus mit liebevollem Charme und einem wunderschönen Blick über Kaltern und den See.


Der Tag ist noch jung, die Luft frisch, ideal für eine Runde mit den E-Bikes. Die Route führt uns hoch über dem Tal entlang, ein Weg, der sich mit weitem Blick bis nach Tramin zieht und anschließend einmal um den gesamten See herumführt.
Obwohl mehr als 500 Höhenmeter vor uns liegen, lassen sie sich dank der elektrischen Unterstützung mühelos meistern. Der Fahrtwind, der Duft der Weinberge und das stetige Surren der Motoren begleiten uns, bis sich langsam ein vertrautes Ziehen im Magen bemerkbar macht.
Der Hunger treibt uns schließlich zur Gretl am See, wo wir für ein spätes, wohlverdientes Mittagessen einkehren.








Zum Abendessen geht es in den Ritterhof. Dort erwarten uns feine Südtiroler Küche und erlesene Weine aus der Umgebung. Von der Terrasse aus öffnet sich ein herrlicher Blick über das Tal und hinauf zu den umliegenden Bergen – ein Panorama, das den Abend auf stille, eindrucksvolle Weise begleitet.







So nun geht es Richtung Forte, gut vier Stunden Fahrt liegen vor uns. Damit es nicht zu eintönig wird und wir den alltäglichen Stau bei Bologna umfahren nehmen wir die etwas längere Route, vorbei an Cremona. Zwischendurch noch eine Kaffeepause in Sirmione am Gardasee.




Die Unterkunft, die wir im vergangenen Jahr in Forte hatten, war leider nicht mehr frei. Also machten wir uns auf die Suche nach etwas Neuem in der Umgebung. Unsere Wahl fiel schließlich auf eine kleine Villa mit Garten. Auf den Fotos wirkte alles deutlich frischer – für den eher gehobenen Preis vielleicht ein wenig überbezahlt, aber insgesamt in Ordnung.
Als Erstes besorgen wir uns Fahrräder, damit wir während unseres Aufenthalts weitgehend auf das Auto verzichten können.









Am Abend entscheiden wir uns, mit den Fahrrädern hinaus zum Pontile zu fahren, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Doch dieses Mal bleibt die Sicht durch dichte Wolken verhangen, sodass vom eigentlichen Schauspiel kaum etwas zu erkennen ist.
Anschließend schlendern wir noch durch das Stadtzentrum. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation liegt eine ungewöhnliche Ruhe über den Gassen. Nur wenige Menschen sind unterwegs, die meisten Geschäfte bleiben geschlossen oder öffnen lediglich nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung.
Unter diesen Umständen ist es nicht schwer, in einem unserer Lieblingslokale einen Platz zum Abendessen zu bekommen. Normalerweise wäre es ohne Reservierung nahezu unmöglich, dort spontan einen Tisch zu ergattern. Die La Cucina del Giardino, in einer stillen Seitenstraße des Zentrums gelegen, überzeugt wie immer mit ihrer hervorragenden Küche.







Am nächsten Morgen stand der Check-in im Bagno auf dem Programm. Auch dieses Mal haben wir uns für das Bagno der Villa Grey entschieden. Dabei handelt es sich um eines der kleineren Bäder in Forte dei Marmi, das sich durch seinen gehobenen Service auszeichnet. Da wir keine Hotelgäste sind, bekommen eines der hinteren „Tenda“.
Ein solches „Tenda“ bietet einen festen, rund sechs mal sechs Meter großen und geschützten Bereich direkt am Strand. Zur Ausstattung gehören zwei bequeme Sonnenliegen, zwei Liegestühle, ein Sessel, ein Tisch, eine versperrbare Kiste für Wertsachen sowie frische Strandtücher. Diese Variante ist zwar nicht die günstigste, doch dieser kleine Luxus ist es uns wert und rechtfertigt für uns jeden investierten Euro.




Die nächsten sechs Tage laufen ziemlich nach dem gleichen Schema ab. Wir sind so gegen neun Uhr im Bagno und unternehmen einen Strandspaziergang, danach folgte eine ausgedehnte Ruhephase.


Mittags zum Essen bleiben wir entweder gleich hier im Bagno oder fahren mit dem Fahrrad in eines der anderen unzähligen Strandrestaurants.







Nachmittags dann ein ähnliches Programm. Nach dem Essen ein kurzer Verdauungsspaziergang am Strand entlang und anschließend eine lange Ruhephase. Bevor gegen 17:00 das Unterhaltungsprogramm startet, in Form eines kleinen Aperitifs und einer kleinen Pokerrunde. So um 19:00 beenden wir den Badetag.





Abends drehen wir noch eine kleine Runde im Zentrum und beobachten das bunte Treiben in der Stadt vom Caffé Sampo aus oder sitzen in der Nähe des Pontile auf der Dachterrasse der Pesce Terrazza bei chilliger Musik und blicken aufs Meer hinaus.







Den letzten Absacker gibt es dann auf der Terrasse der Villa, bzw. wenn es zu kalt ist oder regnet, machen wir es uns drinnen gemütlich.



Das Wetter ist in diesem Jahr etwas herausfordernd. Teilweise liegen die Temperaturen nur knapp über 20 Grad, was sich am Strand mit dem Wind auch schon einmal kühl anfühlen kann. Ab und zu unterbrechen kurze Regenschauer unseren Badetag, und auch abends sind eine Jacke oder ein Pullover recht hilfreich.

Am Mittwoch, den 17. Juni, zeigt die Wettervorhersage für Forte anhaltenden Regen bis zum Nachmittag. Da wir den Tag dennoch sinnvoll nutzen wollen, beschließen wir, weiter südlich in Richtung Bolgheri zu fahren, denn dort sollte das Wetter deutlich besser sein. Tatsächlich wird es unterhalb von Pisa bereits heller. Nach etwa 120 Kilometern erreichten wir unser erstes Ziel, und die Sonne schien bereits, als wir ankommen.
Den sonnigen Tag nutzen wir, um einige der bekannten Weingüter der Region zu besuchen. Auf unserem Programm stehen unter anderem Argentiera, Banfi, Ca`Marcanda, Guado al Tasso sowie Michelle Satta. So können wir nicht nur das schöne Wetter genießen, sondern auch die besondere Atmosphäre und die renommierten Weine der Toskana kennenlernen.










Für das Mittagessen suchen wir uns dann noch ein Strandlokal in Marina di Castagneto Carducci, das La Tana del Pirata, tolle Lage mit einer guten Küche.



Eines der Bagnos, in denen wir mittags gerne essen, ist das Piemonte am südlichen Ende von Forte dei Marmi, etwa zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt. Es ist zwar nicht so feudal wie das Grey, bietet aber eine ausgezeichnete, einfache Küche. Der Chef steht hier selbst in der winzigen Küche am Herd und nimmt—wenn, wie jetzt, kaum etwas los ist—auch gleich die Bestellung auf.








Und dann sind die sechs Tage auch schon wieder vorbei und wir verabschieden uns von Sonne, Meer und Strand aber wir kommen wieder spätestens in einem Jahr.





Wir entscheiden uns, nicht direkt nach Hause zu fahren, sondern unsere Fahrt mit einem Zwischenstopp zu verbinden. Unser Ziel ist es, die Prosecco-Vorräte aufzufüllen, bevor wir die Heimreise antreten.
Das Valdobbiadene präsentiert sich noch immer im "Coronaschlaf". Viele Hotels und Pensionen haben ihre Türen weiterhin geschlossen, und das Leben in der Region wirkt gedämpft. Trotz der schwierigen Situation gelingt es uns, ein Zimmer bei Da Tullio in Arfanta zu finden, mitten im Herzen des Prosecco-Gebietes.
Das Restaurant Da Tullio kennen wir bereits von einem früheren Besuch. Die Pension hingegen ist neu für uns. Die Zimmer sind zwar klein, aber zweckmäßig und sauber – und für unsere Zwecke vollkommen ausreichend. Wir sind die einzigen Übernachtungsgäste, was die ungewöhnliche Stimmung unterstreicht.
Auch beim Abendessen bleibt das Restaurant wenig besucht, und leider können wir wegen des anhaltend schlechten Wetters nicht auf der Terrasse sitzen. Von der hat man einen wundervollen Ausblick, bei Schönwetter kann man sogar den Golf von Venedig sehen. Der Besitzer des Hauses berichtet uns von den Auswirkungen der Pandemie: Corona hat das Geschäft nahezu zum Erliegen gebracht. Hinzu kommt das ungewöhnlich schlechte Wetter, das schon seit Wochen anhält. Der Gastgeber kann sich nicht erinnern, jemals eine so lange Regenperiode im Frühsommer erlebt zu haben.
Trotz allem genießen wir das bodenständige Menü in vollen Zügen. Anschließend gehen wir früh zu Bett, denn der nächste Tag verspricht lang und ereignisreich zu werden.












Letzter Tag des Urlaubs – und heute haben wir ein volles Programm. Das Wetter ist deutlich besser geworden, und die Sonne lacht vom Himmel. So wird die Fahrt durch die Strada del Prosecco noch angenehmer.





Der Vormittag gehört dem Prosecco-Einkauf, da der Laderaum begrenzt ist fahren wir nur zu drei unserer Lieblingsproduzenten: Andreola, Marsuret und Vigne Matte. Danach machen wir uns langsam auf den Weg.





„Rund zwei Stunden dauert die Fahrt von Arfanta nach Godia im Nordosten von Udine. Dort erwartet uns unser letzter Programmpunkt: ein Mittagessen im Sternetempel ‚Agli Amici‘. Bereits der Empfang im kleinen Innenhof, begleitet von einem Gruß aus der Küche, ist sensationell. Das folgende 7-Gänge-Menü, serviert im modernen Ambiente des Lokals, ist ein absolutes Gedicht.“











Nur den Zeitfaktor haben wir etwas unterschätzt – das Mittagessen dauert schließlich ganze vier Stunden. So treten wir die Heimreise erst am späten Nachmittag mit vollen Bäuchen an; die kommenden fünf Stunden werden seeehr lang.
Übrigens wurden drei Tage vor der Heimfahrt die Corona-Einreiseregeln nach Österreich gelockert: Wir müssen jetzt nicht mehr in Quarantäne …