

Capetown 2007
17. bis 26. April 2007
Fast 19 Jahre nach dieser Reise einen passenden Bericht zu verfassen, ist gar nicht so einfach. Es gibt keine Aufzeichnungen wie von unseren anderen Afrikareisen, kaum Fotos – und einen Teil der Reise haben wir offenbar bewusst aus unserem Gedächtnis gestrichen.
Doch beginnen wir von vorne …
2007 ist ein aufregendes Jahr für uns. Zu Beginn des Jahres erwerben wir unser neues Zuhause, das CP Private Home, und sind gerade dabei, es nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Damit geht eine über zwei Jahre andauernde Fernbeziehung zu Ende.
Beruflich stehen wir beide vor großen Herausforderungen, und mit dem Wissen, in diesem Jahr nur wenig Urlaub zur Verfügung zu haben, fassen wir relativ kurzfristig einen Entschluss: Acht Tage in unserem geliebten Südafrika. Keine große Rundreise, sondern ein fixer Ausgangspunkt in Kapstadt – genauer gesagt im Vorort Camps Bay – mit Tagesausflügen, Sonne, Meer und vor allem der herausragenden Küche der Region.
Am Abend des 17. April starten wir über Frankfurt Richtung Kapstadt und landen am frühen Morgen des nächsten Tages. Nach den üblichen Einreiseformalitäten geht es zur Mietwagenstation. Unser Fahrzeug für diese Reise ist ein großer Toyota Hilux mit Allradantrieb – wie sich später herausstellen wird, etwas überdimensioniert für unsere Pläne.
Und damit beginnt das Abenteuer.

Foto aus 2014
Wir nutzen das schöne Wetter, um die Kap-Halbinsel ein wenig zu erkunden. Zuerst geht es nach Muizenberg, einem lebhaften Vorort von Kapstadt an der False Bay. Der Ort ist berühmt für seinen langen, sandigen Strand, die ikonischen bunten Badehäuschen, die entspannte Surfer-Atmosphäre und das ruhigere, wärmere Wasser. All das liegt nur eine halbe Autostunde vom Flughafen entfernt.
Ein kurzer Spaziergang am Strand lockert unsere verkrampften Muskeln und lässt uns endgültig ankommen.
Weiter geht es zur Pinguinkolonie bei Simon’s Town. Am Boulders Beach lebt eine große Population von Brillenpinguinen, auch Afrikanische Pinguine genannt. Zwischen Granitfelsen und feinen Sandstränden bewegen sie sich erstaunlich gelassen, und über Holzstege lassen sich die Tiere aus nächster Nähe beobachten, ohne sie zu stören.
Wir verbringen einige Zeit damit, ihr Treiben zu bestaunen, bis sich schließlich ein erstes Hungergefühl meldet. Ein Blick auf die Uhr bestätigt es: Es ist Zeit für ein Mittagessen. Wir fahren ins nahegelegene Black Marlin, mit wunderbarem Blick aufs Meer und einer ausgezeichneten Fischküche.

Foto aus 2006
Nach dem üppigen Mittagessen und einer Flasche ausgezeichneten Chardonnay machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Sie liegt knapp eine Autostunde entfernt am nördlichen Ende von Camps Bay, dem mondänen Vorort von Kapstadt, in unmittelbarer Nähe von Lion’s Head und der Seilbahn auf den Tafelberg.
Das große Haus erstreckt sich über vier Stockwerke und besteht aus zwei Wohneinheiten. Uns gehören die beiden oberen Etagen – mit großzügiger Wohnfläche und vor allem zwei wunderbaren Terrassen mit Blick auf das Meer.
Beim Einparken in die zur Unterkunft gehörende Dachgarage zeigt sich allerdings, dass unser Fahrzeug nicht ganz so praktisch ist: viel zu lang. Und so touchiere ich beim Rangieren die Vespa des Eigentümers. Ziemlich peinlich – ein wenig südafrikanisches Abenteuer gleich beim Ankommen.






Den Rest des Tages verbringen wir damit, erst einmal anzukommen. Wir sitzen in der Sonne auf der Terrasse, lassen den Blick über das Meer schweifen und suchen den Horizont nach Walen ab. Dazwischen sprechen wir darüber, wie die kommenden Tage aussehen könnten – denn durch die kurzfristige Buchung gibt es keinen festen Plan. Andererseits gibt es hier so viel zu sehen, dass wir in diesen wenigen Tagen ohnehin nicht alles schaffen werden.
Am Abend rufen wir uns ein Taxi und fahren in das nur etwas mehr als zwei Kilometer entfernte Restaurant Codfather. Einerseits wird davon abgeraten, nachts längere Strecken zu Fuß zurückzulegen, andererseits wollen wir auch nicht mit dem eigenen Auto fahren: Zum einen, weil wir etwas trinken möchten, zum anderen reicht ein Parkschaden pro Tag vollkommen aus.
Aus den Erfahrungen des letzten Jahres klug geworden, haben wir diesmal einen Tisch reserviert – und genießen ein hervorragendes Abendessen.

19. April 2007. Heute zieht es uns in den Westcoast Nationalpark, rund 120 Kilometer nördlich von Kapstadt. Ein vielfältiges Küstenschutzgebiet, berühmt für die türkisfarbene Langebaan-Lagune, seine farbenprächtigen Frühjahrsblumen und eine beeindruckende Vogelwelt mit über 250 Arten. Buschland trifft hier auf Strand, Sanddünen auf Salzmarschen, unberührte Küsten auf stille Lagunen – eine gelungene Mischung aus Natur, Ruhe und einem Hauch Abenteuer.
Wir fahren den westlichen Teil des Parks entlang des Atlantiks, unternehmen einige kurze Wanderungen und beobachten Zebras, Antilopen und eine Vielzahl an Vögeln. Die Landschaft wirkt weit und ursprünglich, der Blick verliert sich immer wieder zwischen Meer und Himmel.
Auf dem Rückweg legen wir noch einen Stopp am Bloubergstrand ein. Die Aussicht auf Kapstadt und den Tafelberg ist perfekt, fast schon ikonisch. Nach einem kleinen Imbiss in Strandnähe – windgeschützt, denn der South Easter bläst heute wieder kräftig – machen wir uns auf den Weg zurück nach Camps Bay.

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Foto aus 2012

Foto aus 2023

Den späten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang verbringen wir auf der Terrasse. Hier ist der Wind deutlich milder als auf der anderen Seite Kapstadts. Mit einem guten Glas Wein in der Hand genießen wir den Moment, der Sundowner markiert den Übergang vom Tag in den Abend.
Danach rufen wir uns erneut ein Taxi. Ziel ist ein renommiertes Restaurant in der Innenstadt: das Aubergine im Stadtteil Gardens. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1996 gilt es als feste Institution der gehobenen Gastronomie. Geführt wird es vom deutschen Koch und Inhaber Harald Bresselschmidt. Das Restaurant befindet sich in einem historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, einst die Residenz des ersten Chief Justice.
Die Küche verbindet klassische französische Techniken mit asiatischen Einflüssen und lokalen südafrikanischen Zutaten – East meets West. Ein kulinarischer Genuss. Nach einem üppigen Menü und einer hervorragenden Flasche Pinot ist es schließlich Zeit, nach Hause zurückzukehren.

©aubergine

©aubergine
20. April 2007. Es verspricht ein wundervoller Tag zu werden, und wir beschließen, ihn genau so zu nutzen. Die Zeit gehört heute unserer Terrasse. Lesen, faulenzen, plaudern – und immer wieder den Blick über das Meer schweifen lassen. Auch so kann ein Tag spannend sein.
Nach dem inzwischen fast obligatorischen Sundowner machen wir uns am Abend wieder auf den Weg in die Stadt. Diesmal mit dem eigenen Wagen. Ziel ist die V&A Waterfront, das lebendige, restaurierte Hafen- und Werftviertel rund um zwei historische Hafenbecken. Shopping, Gastronomie, Kultur und Unterhaltung gehen hier ineinander über, mit Wahrzeichen wie dem Uhrturm, dem Two Oceans Aquarium, kleinen Märkten, Restaurants und den Anlegestellen der Fähren nach Robben Island – stets mit Blick auf den Tafelberg und das geschäftige Hafenleben.
Wie schon im letzten Jahr kehren wir im Morton’s Steakhouse ein (gibt es nicht mehr). Unsere Wahl fällt auf „Game“ – in Südafrika eine kulinarische Besonderheit: Wildfleisch von Tieren wie Kudu, Springbock, Zebra oder Strauß. Es steht für die Vielfalt der lokalen Küche und ergänzt Klassiker wie Rind und Lamm auf ganz eigene Weise.
Zufrieden und satt kehren wir später zurück und lassen den Abend still auf unserer Terrasse ausklingen.


©immoafrika.de

21. April 2007. Heute unternehmen wir einen Ausflug entlang der False Bay, jener hufeisenförmigen Meeresbucht südlich von Kapstadt, die im Westen vom Kap der Guten Hoffnung und im Osten vom Cape Hangklip begrenzt wird. Ihren Namen verdankt sie frühen Seefahrern, die auf der Rückreise aus dem Osten die Bucht oft mit der Tafelbucht verwechselten und hier irrtümlich einliefen. Auf rund 41 Kilometern Küstenlinie reihen sich zahlreiche charmante Küstenorte aneinander.
Unsere Route führt uns entlang der R310. Der südliche Abschnitt beginnt in Muizenberg und verläuft als Baden Powell Drive direkt an der Küste der False Bay. Der Ozean liegt zum Greifen nah, dahinter ziehen Dünenlandschaften vorbei – spektakuläre Ausblicke, begleitet von einem kräftigen Wind. An manchen Stellen hat er den Sand auf die Fahrbahn geweht, was die Fahrt leicht abenteuerlich macht. Immer wieder halten wir an, gehen ein paar Schritte am Strand entlang und lassen uns den Wind um die Ohren wehen. (2007 noch völlig unproblematisch – heute wird von Stopps auf diesem Abschnitt eher abgeraten, nachts sollte man die Gegend generell meiden.)
Bei Gordon’s Bay verlassen wir die Küste, fahren hinauf auf die Autobahn N2 und kehren zurück nach Camps Bay. Dort probieren wir eines der Restaurants in Strandnähe für ein spätes Mittagessen aus und lassen den Ausflug entspannt ausklingen.


Als wir wieder im Haus ankommen, ist es bereits später Nachmittag. Wir beschließen, die Terrasse nicht mehr zu verlassen. Mit einem guten Buch, einer Flasche Rotwein und dem Blick auf die Zwölf Apostel – jene markante Gebirgskette, die sich entlang der Atlantikküste südlich des Tafelbergs erhebt und das Landschaftsbild von Camps Bay prägt – endet der Tag.
22. April 2007. An diesen Tag sind die Erinnerungen nur mangelhaft. Das einzige Foto, das davon geblieben ist, zeigt immerhin: Wir waren in den Cape Winelands unterwegs.
Ein weltberühmtes Weinanbaugebiet, bekannt für seine preisgekrönten Weine, die kapholländische Architektur und die dramatischen Berglandschaften. Etwa 50 Kilometer östlich von Kapstadt beginnend, erstreckt sich die Region über rund 100.000 Hektar und umfasst mehr als 800 Weingüter.
Wir haben diesen Tag wohl vollständig hier verbracht, irgendwo zwischen Stellenbosch, Franschhoek und Paarl. Vieles ist verblasst – geblieben ist das Gefühl eines langen, genussvollen Tages zwischen Reben, Weingütern und Landschaften, die auch ohne konkrete Erinnerungen ihren Eindruck hinterlassen haben.

23. April 2007. Heute widmen wir uns dem Zentrum von Kapstadt. Das Parken in der Innenstadt gestaltet sich erstaunlich unkompliziert. Überall stehen Parkwächter – teils offiziell in Uniform, teils informell organisiert. Gegen ein kleines Trinkgeld helfen sie beim Einparken und fungieren als Abschreckung für Gelegenheitsdiebe. Keine Garantie, aber Teil des alltäglichen Stadtbildes.
Unser Rundgang beginnt am Greenmarket Square, einem historischen Platz mit täglich stattfindendem Markt im Herzen der Stadt. Zwischen den Ständen findet sich afrikanisches Kunsthandwerk in allen Formen: Masken, Textilien, Schmuck, Souvenirs – laut, bunt und lebendig.
Von hier ist es nur ein kurzer Weg ins Bo-Kaap, einen der geschichtsträchtigsten und meistfotografierten Stadtteile Kapstadts. An den Hängen des Signal Hill gelegen, thront das Viertel über dem Stadtzentrum. Die leuchtend bunt gestrichenen Häuser in Pastell- und Neonfarben sind sein unverwechselbares Markenzeichen. Ihre Farben erzählen von Freiheit: Nachdem die hier lebenden Menschen – einst als Sklaven aus Südostasien und Indien verschleppt – nach Abschaffung der Sklaverei erstmals selbst über ihre Häuser bestimmen durften, begannen sie, diese nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Anschließend zieht es uns in die Long Street, zunächst zum Pan African Market, einem dreistöckigen Markt in einem historischen Gebäude. Kunsthandwerk, Masken, Schmuck und Textilien aus zahlreichen afrikanischen Ländern reihen sich Stockwerk für Stockwerk aneinander. (gibt es nicht mehr) Danach schlendern wir weiter durch die Long Street selbst – eine der ältesten und lebendigsten Straßen Kapstadts, berühmt für ihre gut erhaltene viktorianische Architektur mit gusseisernen Balkonen und zugleich Zentrum des Nachtlebens und der alternativen Kultur.
Ein kleiner Snack stillt den Hunger, dann kehren wir zurück nach Camps Bay. Der Nachmittag gehört der Sonne – und der Terrasse.




Foto aus 2014
Nach einem extrem spektakulären Sonnenuntergang – wir haben den Himmel noch nie in solchen Farben gesehen – fahren wir mit dem Taxi in die Stadt. Ziel ist das damals angesagteste Restaurant Kapstadts: The Showroom.
Das gehobene Lokal, geführt von Chefkoch Bruce Robertson, steht für eine einfallsreiche Fusionsküche mit Schwerpunkt auf südafrikanischen Aromen, insbesondere Einflüssen der Kap-Malay-Küche. (Das Restaurant wurde 2014 geschlossen.)
Es wird ein netter Abend, ohne Frage. Doch so richtig will der Funke bei uns nicht überspringen – es gibt Lokale, die uns nachhaltiger in Erinnerung geblieben sind.


24. April 2007. Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden, und wir nutzen das gute Wetter für eine ausgedehnte Erkundung der Kap-Halbinsel.
Unsere Fahrt führt zunächst entlang des Atlantiks, vorbei am Llandudno Beach – einem der exklusivsten und landschaftlich reizvollsten Strände Kapstadts. Feiner, beinahe weißer Sand trifft hier auf das türkisfarbene, allerdings eiskalte Wasser des Atlantiks.
Weiter geht es nach Hout Bay, einem malerischen Küstenort in einer geschützten Bucht mit geschäftigem Fischereihafen, einem der aktivsten im Westkap. Hier beginnt auch der berühmte Chapman’s Peak Drive, eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Die Straße schlängelt sich entlang steiler Klippen Richtung Noordhoek, immer wieder unterbrochen von Aussichtspunkten mit atemberaubenden Panoramablicken über die Bucht.
Schließlich erreichen wir das Kap der Guten Hoffnung. Nach einer Runde durch den Nationalpark und dem Besuch des südwestlichsten Punktes Afrikas machen wir uns auf den Rückweg. Diesmal wählen wir eine andere Route und fahren durch das traditionsreiche Weingebiet von Constantia.
Hier besuchen wir Groot Constantia, das älteste Weingut Südafrikas aus dem Jahr 1685. Als Nationaldenkmal gilt es als Geburtsstätte des südafrikanischen Weinbaus. Das herrschaftliche Manor House zählt zu den schönsten Beispielen kapholländischer Architektur und beherbergt heute ein Museum mit Möbeln, Porzellan und Kunstwerken aus der frühen Siedlerzeit.
Nach einer ausführlichen Besichtigung lassen wir den Tag mit einem späten Mittagessen im Jonkershuis ausklingen – im großzügigen Außenbereich, unter uralten Eichen.






Foto aus 2006


Am späten Nachmittag kehren wir auf unsere Terrasse zurück – und beschließen, auch hier zu bleiben. Begleitet von einem phantastischen Licht sitzen wir bis spät in die Nacht, lassen den Tag nachhallen und verlieren uns im Wechsel von Dämmerung und Dunkelheit.







25. April 2007. Ein Regentag. Und alles deutet darauf hin, dass es auch den Vormittag über nass bleiben wird. Also beschließen wir einen alternativen Plan: Shopping. Da wir die Innenstadt bereits gut kennen, fahren wir zur N1 City Mall – 140 Geschäfte, da sollte sich doch etwas finden lassen.
Nach einer halben Stunde sind wir dort und schlagen uns zwei unnötige Stunden durch das Einkaufszentrum. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Es ist nicht anders als bei uns zu Hause. Also fahren wir wieder zurück nach Camps Bay.
Irgendetwas fühlt sich seltsam an. Noch bevor wir das Haus richtig betreten haben, frage ich Christine, wo sie die Kameraausrüstung hingelegt hat, die wir vorsichtshalber im Haus gelassen hatten – damit sie nicht aus dem Auto gestohlen wird. Langsam dämmert uns, was passiert ist. Die große Kamera samt Zubehör ist verschwunden. Ein Koffer fehlt. Einige Kleidungsstücke von Christine ebenfalls.
Wir sind geschockt.
Der kleine Safe ist unversehrt geblieben – unsere Papiere, Hausschlüssel und die zusätzlichen Kreditkarten sind noch da. Wenigstens das. Wir setzen uns sofort mit dem Vermieter in Verbindung, der nur wenige Minuten später vor Ort ist. Gemeinsam versuchen wir, den Ablauf zu rekonstruieren. Offenbar haben die Gäste, die unter uns gewohnt haben, bei ihrer Abreise die Tür nicht ordnungsgemäß verschlossen. Sie wurden dabei beobachtet – und so hatten die Diebe offenbar leichtes Spiel, von den unteren Stockwerken zu uns zu gelangen.
Auf Drängen des Vermieters fahren wir zur Polizei und erstatten Anzeige. Was folgt, kostet nicht nur fast drei Stunden Zeit, sondern ist auch frustrierend und beängstigend. Zu erfahren, wie viele Straftaten selbst in dieser noblen Gegend verübt werden, hinterlässt Spuren. Während wir warten, hängen an den Wänden Fahndungsfotos dutzender Krimineller. Die Delikte reichen von Raubmord bis zu mehrfachen Tötungsdelikten. In diesem Moment wird uns klar, dass unser Diebstahl hier das geringste Problem ist.
Am Nachmittag sitzen wir noch immer wie betäubt auf der Terrasse. Das Gefühl der Unbeschwertheit ist verschwunden. Zu wissen, wie leicht man in das Haus gelangen kann, lässt uns nicht los. Wir verzichten darauf, noch einmal hinauszugehen. Und an Schlaf ist ohnehin nicht zu denken – so sitzen wir bis tief in die Nacht draußen, wach, nachdenklich und still.

26. April 2007. Eine schlaflose Nacht liegt hinter uns. Die Stimmung ist gedrückt. Der finanzielle Schaden ist das eine, schwerer wiegt jedoch der Verlust der Kameraausrüstung – mit ihr sind alle Fotos verschwunden. Und auch das Reisetagebuch war in der Tasche. Viele Erinnerungen sind damit unwiederbringlich verloren. Geblieben sind nur ein paar wenige Aufnahmen von der kleinen Digitalkamera.
Es ist unser letzter voller Tag, morgen früh geht der Flug zurück. Wir beschließen, die verbleibende Zeit dennoch zu nutzen und nicht ausschließlich in Trübsal zu versinken. Noch einmal machen wir uns auf, die Kap-Halbinsel zu umrunden. Das Wetter zeigt sich von seiner freundlichen Seite, und so wird es trotz allem ein schöner Tag.
Wir besuchen das Weingut Constantia Uitsig, ebenfalls eines der ältesten Südafrikas. Mittags gönnen wir uns ein gutes Steak in einem Restaurant im Ort Constantia – der Name ist uns entfallen.
Am Nachmittag kehren wir zurück auf unsere Terrasse. Und dort bleiben wir. Zu unserer Überraschung zeigen sich plötzlich zwei Wale direkt vor uns draußen im Meer. Wir können sie sogar mit bloßem Auge gut erkennen – ein kleiner Trost, auch wenn das Fernglas ebenfalls gestohlen wurde.
Am Abend kochen wir uns noch eine einfache Pasta. Einfach, damit wir die Küche wenigstens einmal benutzt haben. Ein stiller Abschluss eines Tages, der anders verlaufen ist als geplant – und vielleicht gerade deshalb in Erinnerung bleibt.









27. April 2007. Früh am Morgen geht es zum Flughafen. Beim Verlassen des Apartments verspricht uns der Vermieter, uns auf dem Laufenden zu halten, sollte es neue Entwicklungen bezüglich des Diebstahls geben.
Für uns ist das Thema innerlich bereits abgeschlossen. Wir haben uns nichts vorzuwerfen, sind körperlich unversehrt geblieben – und so verbuchen wir das Geschehene als schmerzlichen Vorfall. Es ist kein Grund, das Land schlechtzureden, vielmehr eine Erfahrung, aus der wir lernen werden: Beim nächsten Mal werden wir unsere Wertsachen noch besser schützen.
Die Rückreise verläuft unspektakulär. Am späten Abend sitzen wir bereits wieder zu Hause. Und auch wenn ein leichter schaler Nachgeschmack bleibt, überwiegt am Ende doch das Gefühl: Es war eine schöne Reise.