

ADVENTREISE 2025
SLOVENIEN & TRIEST
Adventzeit 2025. Seit Jahren ist es bei uns Tradition, an einem Adventwochenende nach Salzburg zu fahren: gutes Essen, ausgedehnte Spaziergänge, ein Bummel durch die meist hoffnungslos verstopfte Altstadt und eine Runde um die oberösterreichischen Seen. Doch dieses Jahr ist das Wetter besonders herausfordernd. Seit Wochen haben wir kaum Sonne gesehen – nur zäher Nebel, grauer Himmel und wenig Aussicht auf Besserung in ganz Österreich.
Als sich beim südlichen Nachbarn für ein paar Tage ein sonniges Zeitfenster auftut, ist die Entscheidung schnell gefallen. Zwei Tage später sitzen wir im Auto und sind unterwegs. Wir starten vom CP-Private Home bei dichtem Nebel und frostigen 2 Grad. Die A2 führt uns Richtung Süden, und bei Wiener Neustadt blinzelt zum ersten Mal die Sonne durch den grauen Schleier – ein gutes Zeichen.
Es ist Freitag, der 12. Dezember, und die Autobahn ist entsprechend gut gefüllt. Zwischen Graz und der Grenze bei Maribor herrscht nahezu Kolonnenverkehr, danach wird es spürbar ruhiger. In Ljubljana holt uns der Nebel jedoch wieder ein. Die slowenische Hauptstadt liegt in einer Senke, und der graue Dunst hält sich hier besonders hartnäckig. Der geplante Stadtbummel fällt damit leider ins Wasser.
Doch nur wenige Kilometer weiter hat der Spuk ein Ende. Plötzlich Licht, Weite, Farbe. Wir biegen bei Sonnenschein und angenehmen 14 Grad ins Vipava-Tal ab – und spätestens hier wissen wir, dass sich diese spontane Entscheidung mehr als gelohnt hat.

Das Vipava-Tal, auch Wippachtal genannt, liegt im Westen Sloweniens und präsentiert sich als malerische Region mit mildem Klima. Weinberge, Obstgärten und steinerne Dörfer schmiegen sich hier zwischen Alpen, Karst und Adriaküste. Geprägt wird das Tal vom Fluss Vipava, der aus einzigartigen Karstquellen entspringt. Historische Burgen, Schlösser und Herrenhäuser zeugen von einer bewegten Vergangenheit, und kulinarische Genüsse sowie hervorragende Weine gehören hier ganz selbstverständlich dazu.
Unser erster Halt ist das mittelalterliche Dorf Štanjel. Schon von weitem beeindruckt die auf einem Hügel thronende Burg Turn, umgeben von engen Gassen und steinernen Häusern mit viel Geschichte. Die Sonne scheint, die Temperatur ist perfekt – ideale Bedingungen für einen ausgedehnten Rundgang. Wir schlendern durch das Dorf, lassen uns treiben und genießen von der Burg aus einen fantastischen Blick über das Tal. Die Weite, das Licht und die Ruhe lassen uns endgültig im Süden ankommen.










Über teilweise abenteuerliche Nebenstraßen geht es weiter zu unserer Unterkunft. Für die nächsten zwei Nächte haben wir uns bei einem der bekanntesten Winzer des Tals einquartiert: Zmagoslav Petrič. Seit rund 20 Jahren betreibt er hier das Guerila Weingut, ein biodynamisches Weingut, das für seine eleganten Naturweine bekannt ist. Tradition und Moderne verbinden sich in Weinen aus lokalen Rebsorten wie Zelen und Pinela, spontan vergoren, mit minimaler Schwefelung und konsequent biodynamischer Bewirtschaftung. Das Ergebnis sind mineralische, frische und ausdrucksstarke Weine, die sowohl im Alltag Freude machen als auch Reifepotenzial besitzen – ein echtes Terroir-Erlebnis.
Auf dem modernen Weingut gibt es auch drei Apartments. Sie sind geschmackvoll eingerichtet und bieten einen genialen Blick über das Vipava-Tal. Wir versuchen noch, ein wenig Sonne auf der Terrasse zu erwischen, doch der Wind macht das Ganze eher ungemütlich. Also ziehen wir uns bald in die Wärme zurück und machen uns in Ruhe für den Abend bereit.







Für den Abend haben wir uns etwas ganz Besonderes ausgesucht, dafür geht es vom Weingut wieder hinunter ins Tal. Wir überqueren die schmale Napoleonov most, eine Brücke aus der napoleonischen Ära. Sie wurde einst errichtet, um den Fluss Vipava zu queren und den Transport von Quecksilber aus den Minen von Idrija bis zum Hafen von Triest zu ermöglichen – ein wichtiges Bindeglied für die Goldgewinnung in den französischen Kolonien.
Kurz vor Vipava liegt unser Ziel: Gostilna pri Lojzetu – Dvorec Zemono. Das Restaurant ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und wird überall in höchsten Tönen gelobt. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen.
Und sie werden nicht enttäuscht. Wir entscheiden uns für ein Fünf-Gänge-Menü und erleben in den nächsten zweieinhalb Stunden herzliche Gastfreundschaft und vor allem eine großartige Abfolge köstlicher, fein abgestimmter Speisen. Ein wenig Inszenierung darf dabei natürlich nicht fehlen: Das Sorbet wird mit reichlich flüssigem Stickstoff serviert, der den Tisch in dichten Nebel hüllt, fast wie in Watte gepackt. Zum Abschluss folgen kleine Süßigkeiten aus einem großen Klanghorn, untermalt von leiser Weihnachtsmusik.
Wir sind uns einig: ein rundum besonderes Erlebnis – und ein Ort, an den wir ganz sicher zurückkehren werden.














Ein sonniger Start in den Morgen. Ein Frühstück im klassischen Sinn gibt es hier nicht – stattdessen haben wir am Vorabend einen gut gefüllten Korb mit allerlei Köstlichkeiten bekommen, um uns selbst zu versorgen. Noch immer satt vom üppigen Abendessen entscheiden wir uns heute lediglich für Kaffee und ein paar Kekse.
Dann starten wir auch schon in den Tag. Erste Station ist Triest. Für die knapp 40 Kilometer benötigen wir etwa eine Dreiviertelstunde. Am Samstagvormittag ist noch nicht viel los, sodass wir sogar einen Parkplatz direkt beim großen Hauptplatz ergattern. Von hier aus beginnen wir unseren Rundgang durch das historische Zentrum. Triest ist eine Stadt der Kontraste: die elegante Architektur der österreichisch-ungarischen Monarchie trifft auf die Leichtigkeit der italienischen Adria – und nicht zu vergessen, Triest gilt als die Kaffeehauptstadt Italiens. Wir schlendern durch schmale Gassen, über weitläufige Plätze und lassen uns vom besonderen Flair der Stadt treiben. Zum Abschluss machen wir noch Halt in der Salsamenterìa Palato. Hier kehren wir jedes Mal ein, wenn wir in der Stadt sind. Eine hervorragende Auswahl bester italienischer Spezialitäten erwartet uns. Während wir Panini und ein Glas Wein genießen, bestellen wir gleich noch Schinken, Käse und stocken unseren Panettone-Vorrat auf.
Der Besuch in Triest war wieder einmal ein voller Erfolg.



















Nach dem kurzen Abstecher nach Italien geht es zurück nach Slowenien. Ziel ist das rund 40 Kilometer entfernte Piran – ein kleines Juwel an der slowenischen Adriaküste. Elegant, sonnendurchflutet und voller mediterraner Leichtigkeit. Schon beim ersten Spaziergang durch die Altstadt fühlt man sich eher in Italien als im Balkan: enge, verwinkelte Gassen, pastellfarbene Häuser mit hölzernen Fensterläden, dazu der Duft von Meer und frisch gebrühtem Espresso in der Luft.
Das Herz der Stadt ist der Tartini-Platz, ein weiter, offener Raum direkt am Meer, benannt nach dem berühmten Geiger Giuseppe Tartini, der hier geboren wurde. Von hier steigen wir hinauf zur Kirche des Heiligen Georg. Oben angekommen eröffnet sich ein weiter Blick über die roten Ziegeldächer der Altstadt hinaus bis zur Adriaküste – ein Panorama, an dem man sich kaum sattsehen kann.
Das Wetter ist perfekt: 13 Grad, windstill. Wir suchen uns einen Platz im Caffè Teater, mit der Sonne im Gesicht und Blick aufs Meer. Dazu eine gute Flasche slowenischen Weins – so lässt es sich mehr als aushalten.

















Nachdem wir Sonne und salzige Meeresluft ausgiebig genossen haben, geht es wieder retour zum Weingut. Der letzte Programmpunkt des Tages steht an: eine Weinverkostung. Grundsätzlich kennen wir die Weine bereits, schließlich haben wir sie in den letzten Jahren immer wieder in verschiedenen Lokalen in Slowenien getrunken. Aber man kann ja bekanntlich nie genug probieren – schon gar nicht direkt vor Ort.
Die Weine von Guerilla sind geprägt von konsequent biodynamischen Prinzipien und Demeter-zertifiziert. Sie zeigen hohen Extrakt, viel Mineralität und bemerkenswerte Komplexität, oft auch in Richtung Orange-Wine-Stilistik mit längerer Maischestandzeit. Frische, Würze, feine Tannine und eine beeindruckende Lagerfähigkeit ziehen sich durch das Sortiment. Vinifiziert werden sowohl autochthone Rebsorten wie Zelen und Pinela als auch internationale Sorten – spontan vergoren, minimal geschwefelt und unfiltriert abgefüllt.
Besonders angetan hat es uns der Amphora Extreme. Weiße Rebula-Trauben werden dabei monatelang auf der Schale in Tonamphoren vergoren, was zu intensiv orangefarbenen Weinen mit markanten Tanninen und vielschichtigen Aromen führt.
Nach der Verkostung – inklusive einer ganzen Reihe an Bränden – bekommen wir noch eine Führung durch die Kellerräume und die Brennerei. Spätestens jetzt ist klar: Das geplante Abendprogramm müssen wir anpassen. Die Proben waren in Summe dann doch mehr als ausreichend, um danach noch ein Fahrzeug zu lenken.
Also bleiben wir im Apartment und lassen den Abend entspannt ausklingen – mit den in Triest gekauften Leckerbissen.













Wir sind wieder zeitig unterwegs und wollen den schönen Tag voll nutzen. Nach dem ersten Kaffee unternehmen wir einen kurzen Spaziergang zur nahegelegenen kleinen Kirche Sv. Pavel. Von hier oben eröffnet sich ein wunderbarer Blick über das Vipava-Tal – ein stiller Abschied von dieser Region.
Zurück im Apartment heißt es dann: Kofferraum-Tetris. Nach den gestrigen Einkäufen von Wein und Panettone wird der Platz langsam knapp, aber mit etwas Geduld und Improvisation findet schließlich alles seinen Platz.
Dann geht es auch schon los. Unser Ziel ist der Bohinjsko jezero, der Lake Bohinj, im Triglav-Nationalpark. Wir entscheiden uns bewusst für die kürzere, rund 120 Kilometer lange Strecke – auch wenn sie deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt.
Zunächst noch auf der Schnellstraße bis Nova Gorica, dann wechseln wir auf die R3-609, die das Vipava-Tal mit dem Soča-Tal verbindet und über das Karsthochplateau Trnovski gozd führt. Sie gilt als eine der spektakulärsten Bergstraßen Sloweniens: dichte Wälder wechseln sich mit kargen Karstfelsen ab, Kurve folgt auf Kurve.
Bei Bača pri Modreju geht es weiter auf die R2-403 über den Petrovo-Brdo-Pass. Dieser bildet die Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Save (Donau/Schwarzes Meer) und der Soča (Adria) – ein unscheinbarer Ort mit großer geografischer Bedeutung.
Anschließend folgen wir der R3-909, die durch dichte Bergwälder führt und immer wieder weite Ausblicke auf das Massiv der Julischen Alpen freigibt. Auf der Passhöhe liegt das Skigebiet Soriška Planina. Von hier geht es schließlich bergab – direkt hinein in die alpine Welt rund um unser Ziel.





Gegen Mittag treffen wir in unserem Hotel ein, dem Majerca Hotel in Stara Fužina. Viel Zeit verlieren wir nicht: Auto abstellen, kurz umziehen – und schon sind wir bereit für die erste Wanderung.
Über dem See liegt stellenweise noch Nebel, der sich langsam auflöst und dem Ganzen eine fast mystische Stimmung verleiht. Zunächst wandern wir ein Stück entlang der Ostseite des Sees, wechseln dann jedoch in die Mostnica-Schlucht – ein beeindruckendes Naturdenkmal, das der Gebirgsfluss Mostnica über Jahrtausende tief in den Kalkstein gegraben hat.
Ein schmaler Pfad führt direkt am glasklaren Gebirgsbach entlang. Holzstege und kleine Brücken schmiegen sich an die Schluchtwände und eröffnen immer neue Perspektiven: smaragdgrüne Gumpen, glatt polierte Strudellöcher und kleine Wasserfälle, die leise zwischen Moos und Farnen verschwinden. Die Schlucht ist bekannt für ihre skurrilen Auswaschungen – die bekannteste davon ist der „Kleine Elefant“, ein hohler Felsen, dessen Form an einen Elefanten erinnert, der seinen Rüssel ins Wasser taucht.
Der Weg ist stellenweise leicht vereist und verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Doch wir genießen jeden Meter, jede Minute in diesem Naturjuwel. Eindrücklich. Still. Einfach beeindruckend.










Nach der Wanderung checken wir im Hotel ein und genießen gleich eine Besonderheit unseres Zimmers: Im Bad befindet sich eine Sauna – perfekt dimensioniert für zwei Personen. Nach den kühlen Temperaturen draußen genau das Richtige.
Generell lässt sich sagen, dass das Boutique-Hotel eine ausgesprochen nette Unterkunft ist: stilvoll, ruhig und mit viel Liebe zum Detail. Nach der Sauna und einer kurzen Ruhephase gönnen wir uns im Restaurant noch eine Flasche Wein, mit Blick auf die Julischen Alpen. Langsam senkt sich der Abend, und wir lassen den Tag in aller Ruhe ausklingen und stimmen uns auf den Abend ein.






Einer der Hauptgründe, warum unsere Wahl auf dieses Hotel gefallen ist, waren die hervorragenden Bewertungen der Restaurantküche – und wir werden nicht enttäuscht. Ein ausgesprochen gutes Fünf-Gänge-Menü erwartet uns, dazu fühlt es sich fast wie ein Privat-Dinner an, denn wir sind die einzigen Gäste im Lokal.
Begleitet von einer guten Flasche Wein zelebrieren wir jeden Gang in aller Ruhe. Am Ende sind wir satt, glücklich und angenehm müde – genau der richtige Abschluss für diesen Tag.











Als wir am Morgen aufwachen, ist von dem angekündigten sonnigen Tag noch nichts zu sehen. Dicker Nebel liegt über der Landschaft, dazu Minusgrade – Winterstimmung pur. Nach dem Frühstück machen wir uns gut eingepackt auf den Weg. Ganz zaghaft blinzelt die Sonne hin und wieder durch die Nebelfetzen, als wolle sie uns Mut machen.
Heute steht die Umrundung des Sees auf dem Programm. Wir starten auf der Südseite und hoffen, beim Rückweg auf der gegenüberliegenden Seite doch noch Sonne zu erwischen. Es ist kalt, und der Nebel verleiht der Landschaft eine fast mystische, unwirkliche Atmosphäre.
Am Ende des Sees bei Ukanc besuchen wir noch einen Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg – ein stiller, nachdenklicher Ort. Danach geht es auf der anderen Seeseite retour. Und tatsächlich: Wie erhofft kommt die Sonne langsam hervor, wärmt uns auf und lässt den Nebel schließlich weichen.
Nach 14 Kilometern und vier Stunden vierzig Minuten ist die Runde geschafft. Den Rest des Nachmittags verbringen wir entspannt im Zimmer – mit Sauna, Tee und Keksen.










Da das Restaurant unseres Hotels am Montagabend geschlossen ist, fahren wir in die nahegelegene Dependance des Hauses: Domačija Majer’ca. Hier wird klassische slowenische Küche auf gutem Niveau serviert – und das in einem wirklich tollen, gemütlichen Ambiente.
Der Service ist hervorragend, auch wenn der offene Kamin aufgrund eines schlechten Abzugs den Raum ziemlich einräuchert. Immer wieder müssen die Fenster aufgerissen werden, um frische Luft hereinzulassen. Ein kleines Manko, das der Qualität von Küche und Service jedoch keinen Abbruch tut.




Die versprochene Wetteränderung ist leider eingetroffen. Schon am Morgen ist der Himmel dicht bewölkt, und im Laufe des Tages soll auch noch Regen dazukommen. Nach dem Frühstück machen wir uns daher gleich auf den Weg – das noch trockene Zeitfenster wollen wir unbedingt nutzen.
Bis nach Bled sind es nur etwa 30 Minuten Fahrt. Der kleine Ort wirkt ruhig und liegt eingebettet in eine fast märchenhafte Kulisse. In den sanften Ausläufern der Julischen Alpen schimmert der smaragdgrüne Bleder See, dessen Farbe je nach Licht zwischen Türkis und tiefem Grün changiert.
Der See ist das Herz der Region. In seiner Mitte erhebt sich die kleine Insel mit der berühmten Marienkirche. Ein Spazierweg umrundet den See und eröffnet immer wieder neue Perspektiven: auf die umliegenden Berge, das ruhige Wasser und das hoch oben thronende Schloss von Bled, das spektakulär auf einem steilen Felsen liegt und einen atemberaubenden Blick über See und Landschaft bietet.
Unser ursprünglicher Plan, den Bleder See komplett zu umrunden, scheitert leider. Auf der Ostseite wird ein längerer Abschnitt der Straße erneuert, und in diesem Zuge ist auch die Uferpromenade gesperrt. Da sich die Baustelle über eine größere Strecke zieht, ersparen wir uns den Stress.
Also Planänderung: Wir schlendern durch den Ort, steigen hinauf zur Burg und spazieren anschließend entlang der Westseite des Sees. Als sich gegen Mittag der Himmel immer weiter verdunkelt, machen wir uns schließlich auf den Rückweg.










