

Eine SMARTe Reise
Italien vom 14. bis 20. Juli 2016
Juli 2016. Wir haben Lust, etwas Besonderes zu unternehmen. Nur ein paar Tage, mitten in der Hauptreisezeit, die wir sonst konsequent meiden – und natürlich in unserer Lieblingsdestination Italien.
Diesmal wollen wir nicht einfach Kilometer fressen, sondern bewusst die Wege abseits der Autobahnen erkunden. Dafür bietet sich unser kleiner Smart an, inzwischen neun Jahre alt und genau richtig für schmale Straßen und spontane Abzweigungen. Eine kleine Herausforderung bleibt allerdings das Gepäck: Für sechs Tage alles unterzubringen, inklusive Wandersachen, verlangt etwas Planung. Da zahlt es sich aus, dass ich in meiner Jugend viel Tetris gespielt habe.
Es ist früher Morgen am Donnerstag, dem 14. Juli, als wir starten. Vor uns liegt eine lange Route – und das gute Gefühl, unterwegs zu sein.


Wir entschließen uns, den ursprünglichen Plan, ausschließlich über Nebenstraßen zu fahren, aufzugeben – bei Regen macht das schlicht keinen Spaß. Also geht es über den Pogusch und St. Lorenzen zur S36, weiter über Leoben, Zeltweg und St. Veit, bis wir bei Klagenfurt schließlich auf die A2 treffen.
Das Wetter hat sich inzwischen deutlich gebessert. Bei Velden verlassen wir die Autobahn und gönnen uns im Seespitz ein feines Mittagessen mit Blick auf den Wörthersee. Wir bleiben länger sitzen als geplant, lassen uns von der Sonne wärmen und genießen den Moment.
Da die Zeit dabei ein wenig aus dem Blick geraten ist, beschließen wir, die restliche Strecke auf der Autobahn zurückzulegen – sonst würde es zu spät werden, um rechtzeitig in Mortegliano anzukommen.
Unsere Route führt uns über Alland in das wundervolle Triestingtal, weiter nach Kaumberg und Hainfeld bis nach Traisen. Von dort folgen wir der B20 über Lilienfeld und St. Aegyd zu unserem ersten Stopp: Mariazell.
Wir vertreten uns kurz die Beine und besichtigen die Basilika. Doch inzwischen hat sich das Wetter deutlich verschlechtert, und es beginnt kräftig zu regnen. Also ziehen wir uns in die Konditorei Pirker zurück, bekannt für ihre Lebkuchen. Bei Kaffee und Kuchen beraten wir in aller Ruhe die nächsten Schritte.



Da Nando – wir sind schon öfter hier abgestiegen. Einerseits ein feines Drei-Sterne-Albergo mit kleinen, aber komfortablen Zimmern im Landhausstil, andererseits eine traditionsreiche, familiengeführte Trattoria, die seit 1960 besteht und für ihre hochwertige regionale Küche bekannt ist. Klassische friulanische Rezepte werden hier mit zeitgenössischen Einflüssen kombiniert.
Das Wetter ist perfekt, also nehmen wir einen Tisch auf der Terrasse und starten in ein mehrgängiges Menü.








Eine weitere Besonderheit ist die Weinkarte – eigentlich ein Buch, gefüllt mit unzähligen Etiketten. Allein die Wahl des passenden Weins erfordert mehr als nur einen Aperitif.



Zu später Stunde gesellt sich noch ein heftiges Gewitter zu unserem Abend. Die Temperaturen bleiben jedoch angenehm, sodass wir uns lediglich unter das Vordach zurückziehen, den Regen beobachten und erleichtert sind, als er bald wieder weiterzieht.

Nach einem hervorragenden Frühstück schlichten wir das Gepäck wieder in den Smart und machen uns auf den Weg. Unser erster Programmpunkt ist nur eine halbe Stunde entfernt Richtung Norden. San Daniele del Friuli, bekannt für den Prosciutto di San Daniele der in diesem einzigartigen Mikroklima, bei dem frische Alpenwinde auf milde Adrialuft treffen, reift. Für eine Verkostung ist es noch zu früh, die meisten Läden haben noch geschlossen und wir sind immer noch satt vom Frühstück. Wir begnügen uns mit einer kleinen Stadtrunde bevor wir den Weg fortsetzen

Duomo di San Michele Arcangelo, San Daniele

Duomo dei Santi Pietro e Paolo di Mortegliano
Bei Tolmezzo wenden wir uns weiter nach Westen und folgen dem Lauf des Tagliamento – dem König der Alpenflüsse. Er gilt als der letzte weitgehend naturbelassene Wildfluss der Alpen und ist berühmt für seine einzigartige Morphologie mit einem bis zu zweieinhalb Kilometer breiten Schotterbett.
Wir fahren bis zu seinen Quellen, auf etwa 1.195 Metern Höhe am Passo della Mauria, an der Grenze zwischen Friaul-Julisch Venetien und Venetien. Von dort geht es hinab zum Fluss Piave und weiter Richtung Norden, nach Innichen ins Pustertal.
Stets begleiten uns die Dolomiten – eine Strecke, die schlichtweg traumhaft ist.







In Toblach verlassen wir das Pustertal bereits wieder. Vorbei am Toblacher See und am Dürrensee führt uns der Weg nach Cortina d’Ampezzo – oft als die „Königin der Dolomiten“ bezeichnet. Der mondäne Wintersportort liegt auf 1.211 Metern Höhe im Ampezzaner Tal, umgeben von markanten Gipfeln wie dem Monte Cristallo und der Tofana-Gruppe.
Hier legen wir eine Mittagspause ein. Im Ra Stua gibt es ein deftiges Mittagsmenü – genau das Richtige, bevor es weitergeht.
Frisch gestärkt fahren wir hinauf zum Sellajoch, einem der legendärsten Alpenpässe der Dolomiten. Auf 2.218 Metern Höhe verbindet es das Grödner Tal mit dem Fassatal und führt von dort wieder abwärts Richtung Bruneck.









Von Bruneck geht es direkt weiter zu unserem heutigen Ziel. Für ein kurzes Stück nutzen wir noch einmal die Autobahn A22, doch schon bei Klausen verlassen wir sie wieder. Über Kastelruth fahren wir hinauf auf die Seiser Alm – mit 56 Quadratkilometern die größte Hochalm Europas.
Sie liegt in den Südtiroler Dolomiten, eingerahmt von markanten Gipfeln wie dem Schlern, der Roterdspitze sowie der Langkofel- und Plattkofelgruppe.
Quer über die Alm erreichen wir schließlich das Sporthotel Floralpina. Hier bleiben wir für zwei Nächte.





In der Früh drehen wir eine kleine Runde. Es hat merklich abgekühlt, doch die Sonne steigt rasch höher, und bald verspricht der Himmel einen wundervollen Tag.
Wir fahren nach Compatsch und mieten uns bei Sport Hans E-Bikes. Mit denen geht es den restlichen Tag kreuz und quer über die Alm. Das Wetter ist genial – und macht das Ganze gleich noch einmal so viel schöner.













Nach so viel sportlicher Betätigung widmen wir uns am Nachmittag dem notwendigen Flüssigkeitsausgleich auf der Hotelterrasse – begleitet von einem wundervollen Ausblick. Ein perfekter Tag.




Ein neuer, wundervoller Tag beginnt – die Sonne lacht. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der sonnigen Terrasse wird der Smart wieder beladen, und die Reise geht weiter.
Über Compatsch, Seis und Völs am Schlern erreichen wir nach knapp einer Stunde Fahrt den Waltherplatz in Bozen, der Landeshauptstadt Südtirols. Wir schlendern durch das Zentrum mit seinen berühmten Lauben, der mittelalterlichen Einkaufsstraße mit ihren charakteristischen Rundbögen. Hier reihen sich traditionelle Fachgeschäfte an moderne Boutiquen, dazwischen der Obstmarkt – ein Erlebnis für die Sinne mit regionalen Produkten wie Speck, Schüttelbrot und saisonalem Obst. Nach einer entspannten Kaffeepause setzen wir am frühen Nachmittag unsere Fahrt fort und folgen der Weinstraße nach Kaltern, wo wir unser Quartier beziehen.

Kaltern – einer unserer Sehnsuchtsorte in Italien. Der Ort liegt auf einem sanften Hochplateau über dem Etschtal, eingebettet zwischen endlosen Weinbergen und den bewaldeten Hängen des Mendelkamms. Geprägt wird die Landschaft vom Kalterer See, dem wärmsten Badesee der Alpen, und von einer tief verwurzelten Weinkultur, die hier allgegenwärtig ist. Das Klima wirkt beinahe mediterran, mild und wohltuend.
Untergebracht sind wir im Designhotel Gius La Residenza, einem kleinen Boutique Hotel mit großzügigen Studio-Suiten, viel Tageslicht und einem feinen Hauch von Retro-Charme. Unser Zimmer verfügt über einen eigenen kleinen Pool, einen Hot Tub – und als kaum zu übertreffende Krönung: eine hervorragende Kaffeemaschine. Den Rest des Nachmittags verlassen wir die Terrasse nicht mehr.








Am Abend zieht es uns hinunter in den Seehofkeller, einen historischen Weinhof oberhalb des Kalterer Sees. Der Blick gleitet weit über das Wasser, die Luft ist warm, fast weich – genau der richtige Ort für einen lauen Sommerabend. Bei gutem Wein und ruhiger Stimmung lassen wir den Tag ausklingen, so wie man es hier tun sollte: ohne Eile.



Nach einem guten Frühstück brechen wir zeitig auf. Heute wartet die Königsetappe auf uns – und so ganz sicher sind wir nicht, wie sich der Kleine auf den kommenden Pässen schlagen wird. Gleich hinter Kaltern beginnt der Anstieg auf den Mendelpass (Passo della Mendola), einen geschichtsträchtigen Übergang der südlichen Kalkalpen. Auf 1.363 Metern markiert er die Grenze zwischen Südtirol und dem Trentino. Fünfzehn Kilometer, fünfzehn Kehren – und mit jeder Kurve öffnen sich neue Ausblicke auf das Etschtal, den Kalterer See und die fernen Dolomiten. Weiter geht es auf der SS42, einer landschaftlich reizvollen Straße mit immer wieder beeindruckenden Blicken in die alpine Welt. Im Val di Sole biegen wir schließlich auf die SS300 ab und beginnen den Anstieg auf den Gaviapass (Passo di Gavia) – einen der spektakulärsten und zugleich anspruchsvollsten Alpenpässe Italiens.
Auf 2.618 Metern zählt er zu den höchsten befahrbaren Pässen der Alpen. Die Straße ist extrem schmal, oft nur einspurig, teilweise ohne Leitplanken und direkt am Abgrund entlanggeführt. Steigungen von bis zu 16 % bringen den Smart sichtbar ins Schwitzen – und uns gleich mit. Eine zusätzliche Prüfung ist der rund 500 Meter lange, unbeleuchtete und kurvige Tunnel, feucht und düster, ein Ort, den man möglichst zügig hinter sich lassen möchte. Als wir schließlich die Passhöhe erreichen, legen wir am Lago Bianco eine Pause ein. Wir vertreten uns die Beine, lassen die klare Bergluft wirken – und gönnen auch dem tapferen Smart ein wenig Abkühlung.















Nun geht es hinab nach Bormio, auf 1.225 Metern gelegen – ein traditionsreicher Alpenort in der Provinz Sondrio in der Lombardei. Kaum unten angekommen, beginnt bereits der nächste große Aufstieg: das Stilfser Joch (Passo dello Stelvio). Mit 2.757 Metern über dem Meeresspiegel ist es der höchste Gebirgspass Italiens und der zweithöchste asphaltierte Pass der Alpen. Er verbindet Bormio mit dem Vinschgau in Südtirol.
Wir nehmen die sogenannte Westrampe, die durch das Braulio-Tal führt. Sie zählt 39 Kehren und mehrere einspurige Felstunnel, ist aber im Vergleich zum Gaviapass deutlich entspannter zu fahren. Die Straße zieht sich elegant den Berg hinauf, die Landschaft öffnet sich mit jeder Kurve ein wenig mehr.
Oben angekommen genießen wir das Panorama, lassen den Blick schweifen – und geben auch dem Smart wieder Zeit zum Abkühlen.
Danach geht es auf die Ostrampe: 48 nummerierte Kehren, steil bergab, eine Ikone des Alpenstraßenbaus. Kurve um Kurve arbeiten wir uns talwärts – ein perfekter Abschnitt, der fahrerisch wie landschaftlich kaum zu übertreffen ist.










Bei Prad am Stilfserjoch legen wir noch einen besonderen Stopp ein und besuchen den Skulpturenpark von Lorenz Kuntner. In diesem etwas anderen Freilichtmuseum stehen Skulpturen aus unterschiedlichsten Materialien – Holz, Stein, Metall – scheinbar beiläufig in die Landschaft gesetzt oder bewusst mit ihr verschmolzen. Kunst und Natur treten hier in einen stillen Dialog, fernab klassischer Museumsräume.
Danach führt uns der Weg weiter durch den Obervinschgau zum Reschensee, einem rund sechs Kilometer langen Stausee in der Gemeinde Graun, direkt am Reschenpass gelegen. Weltberühmt ist er für sein ikonisches Wahrzeichen: den aus dem Wasser ragenden Kirchturm. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist das letzte sichtbare Relikt der ehemaligen Dörfer Graun und Reschen, die 1950 für ein Wasserkraftprojekt geflutet wurden. 163 Häuser wurden gesprengt, 523 Hektar fruchtbares Kulturland verschwanden unter der Wasseroberfläche – ein stilles Mahnmal, das heute fast surreal wirkt.
Über den Reschenpass geht es zurück nach Österreich. Wir folgen dem Lauf des Inns, bis wir bei Zams die A12 erreichen. Die letzten Kilometer nach Innsbruck legen wir auf der Autobahn zurück.
Als wir am Abend im Hotel Penz ankommen, sind wir hundemüde. Nur noch schnell hinauf ins Restaurant Lichtblick, ein spätes Abendessen mit Blick über die Stadt – dann ist Schluss für heute. Der Tag war lang, intensiv und reich an Eindrücken.








Nach der Monsteretappe von gestern lassen wir es heute bewusst gemächlicher angehen. Noch ein Stück rollen wir entspannt auf der A12 dahin, bis wir bei Wiesing ins Zillertal abbiegen. Die Landschaft wird weiter, grüner, alpiner. Über den Gerlospass gewinnen wir langsam wieder an Höhe, Kurve um Kurve, bis wir schließlich Krimml erreichen.
Die Krimmler Wasserfälle sind jedes Mal aufs Neue beeindruckend: tosendes Wasser, feiner Sprühnebel in der Luft, ein kraftvolles Schauspiel der Natur. Wir bleiben eine Weile stehen, hören einfach nur zu und lassen den Blick wandern.
Weiter geht es vorbei am Zeller See, dessen Oberfläche ruhig in der Sonne liegt, fast wie ein Spiegel. Über Maria Alm erreichen wir das Hochköniggebiet, mächtig und erhaben, eine Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Schließlich führt uns der Weg bei Bischofshofen nordwärts auf der B159 bis nach Golling.
Hier beziehen wir Quartier beim Döllerer – und der Abend steht ganz im Zeichen eines besonderen Anlasses. Zu Ehren unseres am nächsten Tag stattfindenden Jahrestags gönnen wir uns ein exquisites Menü, begleitet von einer ganz besonderen Flasche Wein. Alles passt: die Stimmung, die Küche, der Moment.
Ein perfekter Tag.





















Wir starten ganz langsam in den Tag. Der Abend gestern war wunderbar, aber auch üppig – das viele Essen fordert noch seinen Tribut. Trotzdem lassen wir uns ein letztes Frühstück nicht entgehen, genießen es in Ruhe, wissend, dass sich die Reise nun ihrem Ende nähert.
Dann wird der Smart zum letzten Mal beladen. Es geht Richtung Heimat – aber natürlich nicht auf dem schnellsten Weg. Stattdessen wählen wir bewusst die Panoramarunde, ein würdiger Abschluss für diese Tage unterwegs.
Wir folgen der B159 entlang der Salzach, das Tal öffnet sich weit und ruhig. Kurz vor Bischofshofen schwenken wir nach Osten ab, über B99 und B320, vorbei an Radstadt und Schladming bis nach Liezen. Die Landschaft wechselt ständig ihr Gesicht: weite Täler, enge Schluchten, sanfte Hügel, schroffe Felswände.
Weiter geht es über Admont und durch das beeindruckende Gesäuse, eine dieser Gegenden, die jedes Mal aufs Neue Ehrfurcht auslösen. Bei Hieflau biegen wir Richtung Wildalpen ab, folgen der Straße durch stille Täler und Wälder, bis sich schließlich – fast symbolisch – nahe Mariazell in Sankt Sebastian der Kreis der Reise schließt.
Beim Lurgbauer, seit Jahren eines unserer absoluten Lieblingslokale, machen wir Halt. Hier gönnen wir uns ein langes, entspanntes Mittagessen. Die Lage, das Panorama, die Ruhe – alles stimmt. Ein letzter Höhepunkt, bevor es endgültig heimwärts geht.










Ein schöner, runder Abschluss einer Reise, die genau das gehalten hat, was wir uns erhofft hatten: Zeit, Landschaft, Genuss – und viele kleine Momente, die bleiben.

Übrigens: Jetzt, fast zehn Jahre später, im Jahr 2026, leistet er mit seinen beinahe 19 Jahren noch immer brav seinen Dienst. Eine solche Monstertour würden wir ihm heute wohl nicht mehr zumuten – aber für das eine oder andere feine Wochenende, für kleine Fluchten und vertraute Wege, ist er noch immer unser treuer Begleiter. Und jedes Mal, wenn wir einsteigen, schwingt ein wenig von diesen Reisen mit.
