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SÜDAFRIKA 2018

20. jÄnner- 10. fEbruar

Ja, es ist wieder einmal Südafrika geworden. Unser Ziel: erneut der Kruger-Nationalpark. Die Tierwelt dieses Landes fasziniert uns jedes Mal aufs Neue. Gleichzeitig wollen wir diesmal auch einige neue Destinationen entdecken, die wir bisher noch nicht gesehen haben. Insgesamt stehen uns 22 Tage zur Verfügung – daraus sollte sich doch einiges machen lassen.

Die Anreise erfolgt wie so oft mit einem Nachtflug über Frankfurt mit der Lufthansa. Auch diesmal haben wir unseren Wagen wieder bei Zebra Campers gebucht. Verlässlich wie immer werden wir direkt am Flughafen abgeholt und zu ihrem Hauptquartier in Benoni gebracht – nichts weiter als ein ganz normales Einfamilienhaus, was den familiären Charme des Unternehmens gut widerspiegelt.

Wir bekommen das neueste Fahrzeug der Flotte, einen Ford Ranger. Wobei man fairerweise dazusagen muss: Zebra Campers kauft Fahrzeuge an, die andere Vermieter aussondern. So hat auch dieser „Neuwagen“ bereits rund 120.000 Kilometer auf dem Tacho. Dafür sind die Preise unschlagbar – inklusive Vollversicherung zahlen wir hier nicht einmal die Hälfte dessen, was bei großen Vermietfirmen fällig wäre.

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Unser erstes Ziel liegt nicht allzu weit entfernt. Nur rund 70 Kilometer südlich befindet sich das Ikhamanzi B&B, ein charmantes, von deutschen Gastgebern geführtes Bed & Breakfast mit afrikanischem Ambiente. Ruhige ländliche Lage, komfortable Zimmer, ein schöner Pool und vor allem herzliche Gastfreundschaft – genau das Richtige zum Ankommen.

Wir beziehen unser Zimmer, ruhen uns etwas aus und erkundigen uns bei der Besitzerin, wo wir am besten Lebensmittel einkaufen können. Der nächste größere Supermarkt liegt nur etwa zehn Minuten entfernt in Three Rivers, ein gut sortierter Superspar.

Als wir losfahren wollen, macht der Ford Ranger erstmals Probleme. Er lässt sich nur mühsam starten, springt dann aber doch an. Der Supermarkt erweist sich als perfekt, und so kaufen wir alles ein, was wir für die nächsten Tage brauchen: Getränke, Fleisch, Gewürze und allerlei Vorräte – denn ab morgen sind wir Selbstversorger.

Beim Zurückfahren der nächste Schock: Auf dem Parkplatz springt der Wagen wieder nicht an. Der Starter macht nur noch Klack, Klack. Nach einer Viertelstunde sind wir bereits leicht verzweifelt und überlegen, Hilfe zu holen, als der Motor plötzlich doch noch anspringt.

Zurück auf Ikhamanzi nehmen wir sofort Kontakt mit dem Vermieter auf. Mit diesem Wagen wollen wir auf keinen Fall die nächsten 20 Tage unterwegs sein. Nach einigem Hin und Her wird uns versprochen, ein Ersatzfahrzeug zu schicken. Dieses trifft erst nach Einbruch der Dunkelheit auf der Farm ein.

Statt des Ford bekommen wir einen uralten Toyota Hilux: blinde Scheinwerfer, fast abgefahrene Reifen, die eine oder andere Delle – aber uns ist das allemal lieber. Beim Toyota wissen wir, wie verlässlich diese Fahrzeuge sind, selbst mit vielen Kilometern auf dem Buckel.

Nach so viel Aufregung genehmigen wir uns erst einmal eine Flasche Wein, genießen ein köstliches Braai und sitzen noch lange zusammen, plaudernd mit den sympathischen Besitzern von Ikhamanzi. Ein turbulenter, aber letztlich sehr versöhnlicher erster Tag.

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Gleich nach dem üppigen Frühstück starten wir. Vor uns liegen rund 280 Kilometer und etwa vier Stunden Fahrt, immer Richtung Süden. Der alte Toyota Hilux macht seine Sache gut und brummt ruhig dahin. Nur bei Steigungen merkt man die bescheidene Motorisierung dieser Modelle: Der 2,4-Liter-Motor leistet gerade einmal 112 PS, was bei einem Gesamtgewicht von knapp zwei Tonnen doch etwas knapp bemessen ist. Aber das kennen wir schon von früheren Reisen – Geduld gehört dazu.

Die Strecke führt durch das Herz Südafrikas, den Free State, und bietet eine ausgesprochen malerische Fahrt. Von der sanft hügeligen Landschaft rund um Vereeniging geht es immer weiter in Richtung Süden, bis sich die Szenerie allmählich verändert. Dramatische Sandsteinlandschaften und tiefe Schluchten kündigen die Nähe zur Grenze von Lesotho an.

Unterwegs passieren wir unter anderem die Stadt Heilbron, eine historische Kleinstadt im nördlichen Freistaat, bekannt als landwirtschaftliches Zentrum für Viehzucht, Getreide und Milchprodukte. Die Straße führt vorbei an weiten Orangen- und Maisfeldern, durch hügeliges Terrain – bis schließlich die einzigartigen Felsformationen des Parks am Horizont auftauchen.

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Der Golden Gate Highlands Nationalpark an der Grenze zu Lesotho ist ein Ort, an dem die Landschaft beinahe märchenhaft wirkt. Benannt nach den goldfarben leuchtenden Sandsteinfelsen, die besonders bei Sonnenauf- und -untergang zu glühen scheinen, entfaltet der Park eine stille, zeitlose Schönheit.

Weite Hochlandebenen treffen hier auf dramatische Felsformationen, tiefe Täler und sanft geschwungene Hügel, die je nach Licht und Wetter immer wieder ihr Gesicht verändern. Charakteristisch sind die bizarr geformten Sandsteinklippen – allen voran der markante Brandwag-Felsen, der wie ein natürlicher Wachposten über die Landschaft ragt.

Dazwischen breiten sich offene Graslandschaften aus, die im Sommer saftig grün und im Winter in goldenen bis ockerfarbenen Tönen schimmern. Morgendliche Nebelschwaden und die klare, kühle Luft verleihen dem Park stellenweise eine fast alpine Atmosphäre.

Der Golden Gate Highlands Nationalpark ist kein klassisches Safari-Ziel, sondern ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderfreunde – ein Ort zum Durchatmen, Staunen und Verweilen.

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Nachdem wir die Anmeldeformalitäten hinter uns gebracht haben, geht es weiter zu unserer Unterkunft. Eingebettet zwischen goldschimmernden Gräsern und uralten Sandsteinfelsen des Parks liegt das Highlands Mountain Retreat.

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis für sich: Eine schmale, kurvenreiche Bergstraße windet sich durch weite Hochflächen, vorbei an grasenden Zebras und bizarr geformten Felsformationen, bis schließlich die rustikalen Dächer der Holzchalets auftauchen. Hier, in dieser abgelegenen Oase, scheint die moderne Welt eine Pause einzulegen – kein Mobilfunkempfang, kein WLAN, nur das stetige Rauschen des Windes, der über die offene Graslandschaft streicht.

Das Retreat selbst besteht aus acht charmanten Blockhütten, gemütlich und zugleich funktional eingerichtet. Jede Hütte verfügt über eine kleine Küche, einen Wohnbereich mit wärmendem Kaminfeuer, eine eigene Veranda mit Grillplatz („Braai“) sowie große Fenster, die den Blick freigeben auf die majestätischen Maluti-Berge. Ein Ort, an dem man sofort ankommt – nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf.

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Nachdem wir lange mit offenem Mund diese unglaubliche Landschaft bestaunt haben und bereits jetzt bereuen, nur eine einzige Nacht gebucht zu haben, machen wir uns schließlich zu einer Wanderung auf.

Einer der großen Vorteile dieses Parks: Es gibt hier kaum gefährliche Tiere. Nur vereinzelt leben Leoparden in der Region, die Begegnungen mit Menschen in der Regel meiden. So kann man sich ohne Angst auf den Weg machen und die Umgebung ganz entspannt erkunden. Markierte Wanderwege gibt es in diesem Teil des Parks allerdings nicht – man sollte sich den eigenen Weg gut einprägen und markante Orientierungspunkte merken, um sicher wieder zurückzufinden.

Wir steigen hinter den Hütten auf eine Hochebene hinauf und schlagen dort eine großzügige Runde ein. Begleitet werden wir von Zebras, Buntböcken, Gnus und auch einigen Pavianen, die das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachten. Immer wieder eröffnen sich grandiose Ausblicke auf diese überwältigende Landschaft. Der Blick schweift ungehindert über das weite Hochland bis hin zu den Bergen des Maluti-Gebirges an der Grenze zu Lesotho.

Hier oben stellt sich ein tiefes Gefühl von Freiheit ein – eines, das noch lange nachwirkt.

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Wieder zurück bei unserer Hütte beginnt einer dieser Abende, für die man unterwegs ist. Während die Sonne langsam tiefer sinkt, heizen wir den Grill an und öffnen eine Flasche Wein – mehr braucht es nicht. In der Ferne wachsen mächtige Gewittertürme in den Himmel, und das letzte Licht des Tages taucht die weiten Grasflächen und Sandsteinfelsen in ein beinahe unwirkliches, mystisches Leuchten.

Kein Mensch weit und breit. Nur wir, der Wind und diese überwältigende Landschaft. Die Stille ist so vollkommen, dass sie fast greifbar wird, und für einen Moment fühlt es sich an, als würde die Welt stillstehen – als gehöre dieser Ort nur uns allein.

Nach dem Essen, Lammsteaks und Bohnen direkt vom Grill, sitzen wir noch lange am knisternden Feuer. Vor uns breitet sich die dunkle Nacht aus, schwer und tief, und nur gelegentlich blitzt ein einzelner Stern durch den wolkenverhangenen Himmel.

Ein Tag, der sich leise, aber unauslöschlich ins Gedächtnis einprägt – genau für solche Augenblicke reisen wir.

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Hier oben, auf rund 2.200 Metern über dem Meeresspiegel, wirkt alles intensiver: das Licht ist kristallklar, der Sonnenaufgang ein echtes Schauspiel und die Luft so frisch, dass man sie fast schmecken kann. Schweren Herzens packen wir zusammen. 

Bevor wir den Park verlassen, nehmen wir uns noch Zeit, ihn weiter zu erkunden. Der Oribi Loop führt uns durch offene Hochlandlandschaften, vorbei an sanft geschwungenen Hügeln und spektakulären Aussichtspunkten. Immer wieder halten wir an, lassen den Blick schweifen und beobachten die reiche Vogelwelt, die hier oben ihr Paradies gefunden hat.

Kurz nach Mittag ist es dann so weit: Wir nehmen Abschied. Nicht ohne Wehmut, denn dieser Ort hat etwas Magisches – die Ruhe, die Weite, die besondere Stimmung. Ein Platz, an dem man mühelos noch ein paar Tage verlieren könnte, einfach nur, um zu bleiben und zu schauen.

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Die Strecke zu unserem nächsten Ziel ist überschaubar – gerade einmal 140 Kilometer trennen uns von der Dalmore Guest Farm. Doch wie so oft in Südafrika zählt nicht die Distanz, sondern der Weg dorthin.

Die R712, auch als Lichens Pass bekannt, windet sich durch die eindrucksvolle Bergwelt des Golden-Gate-Gebiets. Hochplateaus wechseln sich mit weiten Tälern ab, immer wieder öffnen sich Ausblicke auf die schroffen Kämme der Drakensberge, die wie eine gewaltige Kulisse am Horizont stehen. Das Licht wandert über die Grasflächen, Wolkenschatten ziehen gemächlich über die Landschaft – eine Fahrt, die zum Innehalten einlädt.

Nach dem Verlassen der unmittelbaren Parkgrenzen nähern wir uns dem mächtigen Sterkfontein Dam, dem drittgrößten Staudamm Südafrikas. Die Weite des Wassers bildet einen spannenden Kontrast zur rauen Berglandschaft zuvor.

Weiter geht es über den malerischen Oliviershoek Pass, der die Grenze zwischen dem Free State und KwaZulu-Natal markiert. Hier oben eröffnen sich atemberaubende Blicke in die Tiefe: auf den Kilburn Dam, auf grüne Täler und in der Ferne auf die markanten Gipfel des Mont-Aux-Sources-Massivs.

Hinter dem Pass verändert sich die Landschaft spürbar. Wir verlieren langsam an Höhe und tauchen ein in die sanfteren, üppigeren Ebenen von KwaZulu-Natal. Felder, Weideland und kleine Ortschaften prägen nun das Bild – Bergville, Winterton – das Hochland liegt hinter uns, und ein neues Kapitel dieser Reise beginnt.

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Die Farm selbst liegt herrlich abgeschieden in einer stillen, ländlichen Gegend, sanft eingebettet in die weite Landschaft unterhalb des Spionkop-Damms. Ein Ort, wie gemacht, um durchzuatmen, zur Ruhe zu kommen und die Natur bewusst wahrzunehmen. Dalmore ist genau das, was wir suchen: gemütlich, authentisch und fernab jeglicher touristischer Trampelpfade – ein familiengeführter Bauernhof nahe Bergville, ehrlich und unaufgeregt.

Wir beziehen Cottage Nummer 3, am Rand der Farm gelegen, mit einem freien, weiten Blick in die Landschaft. Unten ein großzügiger Wohnraum mit Küche, oben das Schlafzimmer unter dem Dach – alles schlicht, aber stimmig. Das eigentliche Highlight ist jedoch die große, überdachte Veranda, die wir schneller zu schätzen lernen, als gedacht.

Kaum sind wir angekommen, zieht ein heftiges Gewitter auf. Der Himmel verdunkelt sich schlagartig, der erste Donner rollt über die Hügel, und dann öffnet der Himmel seine Schleusen. Geschützt unter dem Dach der Veranda sitzen wir still mit einem Glas Wein in der Hand und beobachten, wie Regen und Wind über das Land fegen. Die Luft riecht nach Erde und Gras, Blitze zucken in der Ferne. Ein perfekter Empfang an diesem besonderen Ort.

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Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk vorbei. Die Wolken reißen auf, und als wäre nichts geschehen, bricht die Sonne wieder durch und taucht die Landschaft in ein warmes, frisches Licht. Ich fühle mich nicht ganz fit, deshalb lassen wir es ruhig angehen. Wir unternehmen einen kleinen Spaziergang über das Farmgelände, schlendern entlang der Schafweiden und bleiben schließlich am kleinen Damm stehen und beobachten mehrere Reiher die im seichten Wasser stehen und auf Beute lauern.

Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf unserer Terrasse, sitzen einfach da und lassen den Blick in die Weite schweifen. Dieses Nichtstun fühlt sich hier besonders wertvoll an.

Zwar gäbe es die Möglichkeit, selbst zu kochen, doch wir haben uns für das Abendessen im Farmhaus entschieden – und das war die richtige Wahl. Eine bodenständige, ehrliche Farmküche, hervorragend zubereitet und vor allem reichlich. Da wir die einzigen Gäste sind, zieht es uns bald wieder zurück in unser Cottage.

Auf der Terrasse öffnen wir noch eine weitere Flasche Wein, lehnen uns zurück und lauschen dem vielstimmigen Zirpen der Grillen. Im fahlen Licht der Dämmerung huschen Fledermäuse lautlos durch die Luft, auf der Jagd nach Insekten. Ein stiller, friedlicher Abend – genau die Art von Moment, die sich unaufdringlich, aber dauerhaft im Gedächtnis festsetzt.

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Einer der Hauptgründe, warum wir uns für diese Region entschieden haben, ist ihre enge historische Verbindung zum Zweiten Burenkrieg um die Jahrhundertwende. Gleich nach dem Frühstück machen wir uns daher auf den Weg ins nahegelegene Spionkop Nature Reserve.

Das rund 6.000 Hektar große Schutzgebiet verbindet auf eindrucksvolle Weise landschaftliche Schönheit mit bedeutender südafrikanischer Geschichte. Im Zentrum liegt der Spionkop-Stausee, eingebettet in eine dornige Savannenlandschaft. Hier leben Breitmaulnashörner, Giraffen, Zebras, Gnus und verschiedene Antilopenarten. Da es keine großen Raubtiere gibt, herrscht eine beinahe entspannte, friedliche Stimmung – sowohl bei den Tieren als auch bei den Besuchern.

Zunächst widmen wir uns ganz der Tierwelt, und das Reservat enttäuscht nicht. Die Dichte an Wildtieren ist erstaunlich hoch, und schon bald gelingen uns einige wirklich schöne Beobachtungen. Der unbestrittene Höhepunkt ist eine Begegnung mit zwei kämpfenden Giraffenbullen – ein kraftvolles, archaisches Schauspiel, das wir lange fasziniert verfolgen.

Mit zunehmendem Tag wird die Hitze jedoch immer drückender. Die Luft steht, die Feuchtigkeit ist fast unerträglich. Zur Mittagszeit ziehen wir uns an einen schattigen Platz am Damm zurück, gönnen uns eine Pause und lassen den Blick über das glitzernde Wasser und die flimmernde Landschaft schweifen. Ein Moment des Durchatmens, bevor wir uns dem nächsten Kapitel dieses geschichtsträchtigen Ortes widmen.

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Den Nachmittag widmen wir ganz der Geschichte. Am 23. und 24. Januar 1900, also vor genau 118 Jahren, tobte hier am Berg Spionkop eine der verlustreichsten Schlachten des Zweiten Burenkrieges. Auf engstem Raum standen sich rund 6.000 Buren und etwa 13.000 britische Soldaten gegenüber. Nach nur zwei Tagen waren 440 Tote und beinahe 1.200 Verwundete zu beklagen – Zahlen, die selbst heute noch erschüttern.

Spionkop ist jedoch nicht nur wegen der Opferzahlen in Erinnerung geblieben, sondern auch wegen dreier Männer, deren Wege sich hier kreuzten und die später Weltgeschichte schreiben sollten.
Winston Churchill war als junger Kriegsberichterstatter vor Ort und übermittelte unter feindlichem Feuer seine Depeschen.
Mahatma Gandhi diente als Freiwilliger im Ambulance Corps und trug Verwundete unter Lebensgefahr vom Schlachtfeld.
Louis Botha  befehligte die burischen Truppen und wurde später der erste Premierminister der Südafrikanischen Union.

Heute ist das Schlachtfeld eine eindrucksvolle Gedenkstätte, deren Wirkung sich vor allem aus der unmittelbaren Verbindung von Topografie und Geschichte speist. Viele der Gräber markieren exakt jene Stellen, an denen die Soldaten im Januar 1900 fielen. Besonders bewegend ist die Tatsache, dass zahlreiche britische Soldaten direkt in den flachen Schützengräben bestattet wurden, die sie selbst ausgehoben hatten. Diese Massengräber sind heute durch lange Reihen weiß gestrichener Steine gekennzeichnet, die zugleich den Verlauf der damaligen britischen Verteidigungslinie auf dem Gipfelplateau nachzeichnen.

Zentrale Denkmäler prägen den Ort: ein markanter weißer Obelisk auf steinernem Sockel, gewidmet den beteiligten britischen Bataillonen, sowie ein etwa sechs Meter hoher, quadratischer Pfeiler aus behauenem Granit an der Nordseite des Plateaus, der an die gefallenen Burenkämpfer erinnert.

Hier oben, auf dem windgepeitschten Gipfel des Spionkop, entfaltet sich ein starker, beinahe verstörender Kontrast. Die friedliche Weite der Landschaft, der Blick hinüber zu den Drakensbergen und das leise Rascheln des Grases stehen in scharfem Gegensatz zur blutigen Geschichte dieses Ortes. Ein Platz, der still macht – und lange nachwirkt.

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Am späten Nachmittag kehren wir völlig erschöpft auf die Farm zurück. Der Tag war lang, drückend heiß und vollgepackt mit Eindrücken – Natur, Tiere, Geschichte, alles wirkte noch nach. Kaum angekommen, zieht erneut ein Gewitter auf, fast so, als hätte der Himmel unseren Rhythmus übernommen. Wie schon am Vortag nehmen wir auf der Veranda Platz, lassen den Blick über das Land schweifen und beobachten schweigend, wie der Regen die staubige Landschaft hinunterwäscht.

Mit dem Abendessen kehrt langsam Ruhe ein. Danach öffnen wir wieder eine Flasche Wein und ziehen uns erneut auf die Terrasse zurück. Es wird ein langer Abend mit tiefen Gesprächen und diesem besonderen Gefühl, fernab von allem zu sein. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: die Hitze. Im oberen Schlafbereich staut sich die warme Luft, dort oben herrschen sicher um die 30 Grad – an erholsamen Schlaf ist kaum zu denken.

Also bleiben wir, solange es geht, draußen. Auf der Terrasse sind es angenehme 25 Grad, ein leichter Luftzug, das Zirpen der Grillen und der ferne Nachhall des Gewitters. Lieber müde werden unter freiem Himmel als schlaflos im stickigen Schlafzimmer.

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Heute liegt eine lange Etappe vor uns: Das Ziel heißt Hluhluwe-iMfolozi-Park. Die Route führt quer durch die Midlands von KwaZulu-Natal und zeigt einmal mehr, wie extrem vielfältig dieses Land ist. Zunächst gleiten wir durch die Natal Midlands – eine sanfte, grüne Hügellandschaft, oft in Nebel gehüllt, mit fruchtbaren Feldern, Wäldern und kleinen Flüssen. Alles wirkt ruhig, fast europäisch.

Doch je weiter wir nach Norden kommen, desto deutlicher verändert sich das Bild. Die Landschaft öffnet sich, wird trockener, weiter, ursprünglicher. Wir erreichen das nördliche Zululand, wo die klassische afrikanische Dornsavanne dominiert – Buschveld, wie man es sich vorstellt, Heimat großer Wildreservate. Auch die Besiedlung verändert sich spürbar: Weitläufig, traditionell, einfach. In kurzen Abständen stehen die typischen Rundhütten der Zulus, dazwischen laufen Kinder über die Straße, Hühner flattern zur Seite, Ziegen, Schafe und Kühe kreuzen unseren Weg. Autofahren verlangt hier permanente Aufmerksamkeit. Vor größeren Siedlungen bietet sich allerdings ein ernüchterndes Bild: Unfassbar viel Müll säumt die Straßenränder, ein harter Kontrast zur eigentlich wunderschönen Landschaft. Es schmerzt ein wenig, das sehen zu müssen.

Als wäre das noch nicht genug, schickt uns das Navi bei Ladysmith auf eine falsche Route. Aus einer kleinen Abweichung wird eine Zusatzschleife von fast 50 Kilometern. Fluchen hilft nichts, also weiter. So ziehen sich die Kilometer. Am Ende brauchen wir für die nunmehr rund 350 Kilometer fast sechs Stunden. Als wir schließlich am Nachmittag das Cengeni Gate im Westen des iMfolozi-Parks erreichen, sind wir müde, aber erleichtert. Der lange Weg liegt hinter uns – und vor uns wartet endlich wieder Wildnis.

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Der Hluhluwe-iMfolozi-Park zählt zu den ältesten Wildschutzgebieten Afrikas. Auf rund 960 Quadratkilometern erstreckt sich eine meist hügelige Landschaft, durchzogen von den beiden Flüssen Hluhluwe und Mfolozi, denen der Park auch seinen Namen verdankt. Diese abwechslungsreiche Topografie und Vegetation bildet den Lebensraum für eine beeindruckende Vielfalt an Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien.

Hier sind sie alle zu Hause: die „Big Five“ – Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard – ebenso wie Geparde, Wildhunde, Giraffen und die eleganten Nyalas. Hluhluwe und iMfolozi wurden bereits 1895, damals noch als zwei getrennte Reservate, unter Schutz gestellt, als viele dieser Tierarten durch hemmungslose Jagd akut bedroht waren. Dass sie heute hier wieder in solcher Zahl existieren, ist eine der großen Erfolgsgeschichten des afrikanischen Naturschutzes.

Kaum haben wir das Parktor passiert, ist die lange und anstrengende Anfahrt vergessen. Die Wildnis empfängt uns ohne Umschweife. Schon auf den ersten Metern tauchen Tiere am Straßenrand auf, grasen in den Senken oder stehen reglos im Busch. Die rund 30 Kilometer bis zu unserer Unterkunft werden zu einer einzigen Abfolge aus Anhalten, Staunen, Weiterrollen – und gleich wieder Anhalten. Alle paar hundert Meter wartet eine neue Begegnung, eine neue Überraschung. 

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Als wir nach weiteren zwei Stunden Fahrt schließlich das Mpila Camp erreichen, ist es bereits später Nachmittag. Mpila ist das Hauptcamp im südlichen iMfolozi-Sektor und eines der ursprünglichsten Camps im gesamten Park. Hier gibt es keine durchgehenden Zäune wie in vielen anderen Unterkünften – die Wildnis beginnt praktisch direkt vor der Tür. Genau das macht den besonderen Reiz dieses Ortes aus, verlangt aber auch Respekt und Aufmerksamkeit.

Wir beziehen eines der Chalets mit eigener Küche und privatem Grillplatz, denn ein Restaurant gibt es hier nicht. Selbst ist der Koch. Zunächst aber gönnen wir uns eine Pause auf der kleinen Terrasse, ein Glas guten Weins in der Hand, während der Busch langsam zur Ruhe kommt und die Hitze des Tages nachlässt.

Dann machen wir uns ans Grillen – wie sich bald herausstellt, etwas zu spät. Das Holz will nicht richtig Feuer fangen, entwickelt zu wenig Hitze für die Hühnerteile, und während wir noch kämpfen, senkt sich bereits die Dunkelheit über das Camp. Mit der Nacht kommen auch die Hyänen. Zwei von ihnen zeigen ausgesprochen großes Interesse an unserem Abendessen. Mein Geschrei und wildes Gefuchtel beeindrucken sie allerdings kein bisschen. Also bleibt nur eine vernünftige Entscheidung: Fleisch in Sicherheit bringen und im Ofen fertig garen. Gegessen wird vorsichtshalber drinnen.

Später wagen wir uns wieder hinaus auf die Terrasse. Zum Glück haben die Hyänen inzwischen das Interesse verloren und sind weitergezogen. Wir sitzen noch lange draußen, lassen den Tag Revue passieren und genießen die Geräusche der afrikanischen Nacht. Doch bei jedem Rascheln, bei jedem Laut im Dunkel, wandert der Blick reflexartig in die Finsternis – denn eines ist klar: Mit Hyänen ist hier nicht zu spaßen.

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Noch vor Sonnenaufgang stehen wir auf. Draußen liegt der Busch im tiefen Dunkel, nur vereinzelte Geräusche verraten, dass die Nacht noch nicht ganz gewichen ist. Nach einem schnellen, kleinen Frühstück geht es auch schon los. Heute wollen wir den Park durchqueren – gerade einmal 60 Kilometer bis zum Memorial Gate, aber wir haben den ganzen Tag Zeit. Und die werden wir brauchen.

Schon in den frühen Morgenstunden zeigt sich der iMfolozi von seiner großzügigen Seite. Über uns kreisen Adler und Geier, dazu eine schier unüberschaubare Vielfalt an weiteren Vogelarten. Am Boden folgt eine Begegnung der nächsten: Büffelherden, verschiedenste Antilopen, Giraffen, Zebras, Elefanten und immer wieder Nashörner. Die Landschaft selbst ist dabei mindestens ebenso beeindruckend – sanfte Hügel, offene Ebenen und dichter Busch wechseln sich ständig ab.

Der absolute Höhepunkt des Tages wartet direkt am Straßenrand: An einem Schlammloch liegen fünf Breitmaulnashörner, völlig entspannt, kaum zehn Meter entfernt. Wir schalten den Motor aus und sitzen einfach nur da, überwältigt von dieser Nähe und der Ruhe, die diese massigen Tiere ausstrahlen. Solche Momente brennen sich ein.

Als wir gegen 16 Uhr schließlich das Memorial Gate erreichen und den Park verlassen, tragen wir ein breites Grinsen im Gesicht. Ein Tag voller intensiver Eindrücke, unglaublicher Tierbeobachtungen und dieser besonderen Magie, die nur afrikanische Wildnis erzeugen kann.

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Vom Memorial Gate sind es nur noch knapp 80 Kilometer, etwa eine Stunde Fahrt, bis nach St. Lucia. Der kleine, lebhafte Ort an der Elefantenküste von KwaZulu-Natal gilt als Tor zum iSimangaliso-Wetland-Park, Südafrikas erstem UNESCO-Weltnaturerbe. St. Lucia trägt nicht umsonst den Beinamen „Stadt der Flusspferde“ – rund 800 Hippos leben im angrenzenden Ästuar und machen den Ort zu etwas ganz Besonderem.

Wir haben uns eine private Unterkunft direkt im Zentrum gemietet – ein großzügiger Bungalow, heute leider nicht mehr buchbar. Viel Platz, eine hervorragend ausgestattete Küche und vor allem eine herrliche Terrasse, die sofort unser Lieblingsplatz wird. Eigentlich war geplant, selbst zu kochen, doch nach den intensiven Tagen sind wir schlicht zu faul. Stattdessen lassen wir uns auf der Terrasse nieder, öffnen eine gute Flasche Wein und genießen das entspannte Treiben des Ortes.

Am Abend gehen wir einfach über die Straße ins Restaurant John Dory’s und bestellen Meeresfrüchte. Während wir essen, wandert der Blick immer wieder hinaus in die Dunkelheit. Mit etwas Glück zeigen sich die berühmten nächtlichen Bewohner von St. Lucia: Flusspferde, die regelmäßig durch die Straßen ziehen, um Gras in Gärten und entlang der Gehwege zu fressen. Allein die Vorstellung, dass sie hier einfach so durch den Ort spazieren, verleiht dem Abend eine ganz besondere Spannung, doch sie bleiben heute verborgen.   Insta Account Hippos of St Lucia

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Wieder einmal klingelt der Wecker sehr früh. Heute zieht es uns nach Norden, hinein in den iSimangaliso Wetland Park – ein Naturraum von beeindruckender Dimension. Der Park erstreckt sich über rund 280 Kilometer Küstenlinie, von Maphelane im Süden bis hinauf zur Grenze nach Mosambik, und umfasst mehr als 3.000 Quadratkilometer Land- und Meeresfläche. Acht miteinander verbundene Ökosysteme vereinen sich hier: Feuchtgebiete, Seen, Flüsse, Savannen, Küstenwälder, endlose Strände und sogar Korallenriffe. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Tierwelt wider. Große Populationen von Flusspferden und Krokodilen leben in den Lagunen, dazu kommen Zebras, Büffel, Nashörner, Leoparden, Elefanten und über 500 Vogelarten. Ein Paradies – nicht nur auf dem Papier.

Unser erster Halt führt uns zu einer in Südafrika seltenen Geierkolonie: dem Palm Nut Vulture. Ein Rundweg schlängelt sich durch einen dichten Wald aus Raphia-Palmen, von Plattformen aus lassen sich die Vögel normalerweise gut beobachten. Heute jedoch herrscht gähnende Leere – offenbar sind sie buchstäblich alle ausgeflogen. Schade, aber auch das gehört dazu.

Weiter geht es nach Cape Vidal. Schon die Anfahrt ist beeindruckend, und dann liegen sie vor uns: weite, strahlend weiße Sandstrände, eingerahmt von einigen der höchsten bewaldeten Küstendünen der Welt. Der Ozean rauscht, der Strand scheint endlos, und für einen Moment vergessen wir die Zeit. Wir genießen die Stille, die Weite, dieses Gefühl von völliger Abgeschiedenheit. Doch lange können wir nicht bleiben. Für die rund 30 Kilometer hierher haben wir fast eine Stunde gebraucht, und die Strecke, die noch vor uns liegt, ist lang. Ein leichter Zeitdruck macht sich bemerkbar – also wieder ins Auto, weiter nach Norden, hinein in eines der faszinierendsten Schutzgebiete Südafrikas.

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Auf unserem Weg weiter nach Norden legen wir noch zwei Stopps ein. Der erste führt uns in den False Bay Park, ein ruhiges, ökologisch besonders wertvolles Schutzgebiet am westlichen Ufer des Lake St. Lucia. Hier dominieren seltene Sandwälder, offene Savannen, Dornveld und weite Uferzonen. Es ist still, fast menschenleer, und gerade diese Zurückhaltung der Landschaft macht ihren Reiz aus.

Ein weiteres Highlight folgt mit der Sodwana Bay – ein Name, der unter Tauchern weltweit einen besonderen Klang hat. Das Gebiet gilt als wichtigstes Tauch- und Schnorchelzentrum Südafrikas. Vor der Küste liegt eines der südlichsten Korallenriffsysteme der Welt mit einer unglaublichen Vielfalt von über 1.200 Fischarten. Das türkisfarbene Wasser und der helle Sandstrand machen sofort Lust, ins Meer zu springen. Doch uns fehlt die Zeit – schweren Herzens bleibt es bei einem kurzen Aufenthalt, dann geht es weiter.

Die Fahrt fordert nun volle Konzentration. Die Straßen wechseln ständig ihr Gesicht: gut ausgebaute Teerabschnitte gehen über in von Schlaglöchern übersäte Pisten, dann wieder in reine Sandwege, die höchste Aufmerksamkeit verlangen. Stunde um Stunde vergeht, die Landschaft wird immer ursprünglicher, die Besiedelung immer spärlicher.

Als wir schließlich am späten Nachmittag unser Ziel erreichen, fühlen wir uns am Ende der Welt angekommen. Die Utshwayelo Kosi Mouth Lodge liegt unmittelbar an der Grenze zu Mosambik und gilt als die nordöstlichste Unterkunft Südafrikas. Sie befindet sich direkt am Eingang zum Kosi Bay Mouth Reservat und wird als gemeinschaftsbasiertes Projekt in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Thonga-Gemeinschaft betrieben.

Wir beziehen eines der Safarizelte auf erhöhten Holzdecks – mit eigenem Bad und einer Außendusche. Einfach, aber stimmig, und perfekt eingebettet in die Umgebung. Ein Ort, der sofort das Gefühl vermittelt, weit weg von allem zu sein.

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Es ist bereits spät, doch auf einen Besuch am Meer wollen wir auf keinen Fall verzichten. Die Zufahrt zur Kosi Bay Mouth besteht fast ausschließlich aus tiefem, weichem Sand – ohne echtes Allradfahrzeug wäre hier kein Weiterkommen. Also Luft aus den Reifen, Allrad rein, und wir „surfen“ förmlich durch die Sandpiste bis hinunter zur Küste.

Die Sonne steht schon tief, aber die eine Stunde, die uns noch bleibt, nutzen wir für einen ausgedehnten Spaziergang am Strand. Der Ozean liegt ruhig vor uns, die Luft ist weich und salzig, und weit und breit ist kein Mensch zu sehen. Es fühlt sich an, als wären wir an einem der letzten unberührten Küstenabschnitte Afrikas angekommen.

Zurück in der Lodge gönnen wir uns noch eine Pause an der Bar und lassen den Tag langsam ausklingen, während draußen die Dunkelheit über den Busch zieht. Das Abendessen folgt bald darauf, doch viel Energie bleibt nicht mehr. Kurz danach ziehen wir uns hundemüde zurück – ein extrem langer, fordernder, aber auch unglaublich eindrucksvoller Tag geht zu Ende.

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Für heute haben wir eine private Bootstour gebucht. Dafür geht es mit dem Wagen zunächst zum rund 30 Minuten entfernten Kosi Lake – einem einzigartigen Geflecht aus vier miteinander verbundenen Seen. Unser Ausflug führt uns über die Seen Makhawulani, Mpungwini und KuNhlange, die durch schmale, ruhige Kanäle miteinander verbunden sind und schließlich in den Indischen Ozean münden.

Schon die Fahrt über das Wasser ist ein Erlebnis für sich. Die Landschaft ist still, fast meditativ, nur unterbrochen vom Plätschern des Boots und den Rufen der Vögel. Das Markenzeichen des Kosi-Seensystems sind die über 700 Jahre alten Fischfallen der Thonga. Diese kunstvoll errichteten Zäune aus Holzpfählen wirken auf den ersten Blick schlicht, sind aber genial konstruiert: Größere Fische schwimmen hinein und finden den Weg hinaus nicht mehr. Eine nachhaltige Fangmethode, die seit Generationen nahezu unverändert praktiziert wird.

Während wir langsam über die Seen gleiten, eröffnet sich uns eine beeindruckende Naturkulisse. Überall Vögel – Reiher, Eisvögel, Fischadler – die ebenfalls genau wissen, wo es hier etwas zu holen gibt. Ein ruhiger, intensiver Ausflug, der einmal mehr zeigt, wie eng Mensch und Natur in dieser Region seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind.

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Zurück im Camp legen wir zunächst eine kurze Pause ein. Wie so oft in den letzten Monaten zwingt mich ein leichter Fieberanfall dazu, das Tempo herauszunehmen. Also lassen wir den Nachmittag ruhig angehen und genießen die Stille des Camps, das Rauschen des Windes und das Gefühl, ganz weit weg vom Alltag zu sein.

Später am Nachmittag zieht es uns dennoch wieder hinaus. Über die vertraute Sandpiste „surfen“ wir erneut Richtung Kosi Mouth – von dieser Landschaft können wir einfach nicht genug bekommen. Diesmal unternehmen wir eine Strandwanderung entlang der Küste bis nach Mosambik. Klingt nach einer großen Unternehmung, sind aber gerade einmal etwas mehr als drei Kilometer. Barfuß im Sand, das Meer neben uns, keine Grenze außer einer unscheinbaren Markierung – ein besonderes Gefühl.

Auf der Rückfahrt nehmen wir uns noch Zeit, die traditionellen Fischkralen in der Lagune zu bestaunen, die hier ebenso selbstverständlich zur Landschaft gehören wie das Wasser selbst. Am Abend kehren wir zufrieden ins Camp zurück. Ein gutes Essen, eine Flasche Wein und viel Zeit, um über all das Erlebte zu sprechen, runden diesen ruhigen, intensiven Tag perfekt ab.

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Gerne wären wir noch länger in dieser traumhaften Ecke Südafrikas geblieben, doch die nächsten Abenteuer warten bereits. Da heute nur eine kurze Etappe vor uns liegt, lassen wir den Morgen entspannt beginnen. Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal hinunter zum Strand, atmen die salzige Luft ein und unternehmen einen letzten kleinen Spaziergang – ein stiller Abschied von diesem besonderen Ort.

Dann wird das Gepäck verladen und wir machen uns auf den Weg. Unser nächstes Ziel liegt nur rund 60 Kilometer entfernt: der Tembe Elephant Park. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir gegen Mittag die Lodge. Angenehm warme Temperaturen, offene Fenster, entspannte Stimmung – alles wirkt friedlich und harmlos.

Ein Irrtum, wie sich Sekunden später herausstellt. Kaum steigen wir zur Begrüßung aus, stürmt eine ganze Bande Meerkatzen das Fahrzeug. So schnell können wir gar nicht reagieren. Mit geübter Routine greifen sie sich alles, was nicht verstaut ist, und verschwinden in die umliegenden Bäume. Beute des Überfalls: eine Straßenkarte, eine Packung Taschentücher, eine Dose Kaugummi – und eine unserer Kameras. Zum Glück ist diese den Dieben zu schwer und fällt bereits nach wenigen Sekunden in den Sand. Die Straßenkarte dagegen hat weniger Glück. Sie wird fachgerecht zerlegt, einzelne Fetzen segeln langsam vom Baum herab, der Rest bleibt für immer verschwunden. Wieder etwas gelernt: In Afrika gilt es, nicht nur vor Elefanten und Löwen auf der Hut zu sein – auch Meerkatzen sollte man niemals unterschätzen.

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Das Schutzgebiet wurde 1983 vom König der Tembe, Chief Msimba Tembe, ins Leben gerufen. Aus Respekt vor seiner Bedeutung und Geschichte werden die hier lebenden Elefanten bis heute ehrfürchtig als „Königselefanten“ bezeichnet. Aktuell wird der Park gemeinsam vom heutigen Oberhaupt der Tembe-Gemeinschaft, Inkosi Israel Tembe, und der staatlichen Naturschutzbehörde verwaltet. Mit einer Fläche von rund 300 Quadratkilometern ist Tembe kein riesiger Nationalpark – doch genau darin liegt sein Zauber.

Abseits der großen, bekannten Schutzgebiete entfaltet sich hier eine stille, ursprüngliche Wildnis. Kein Massentourismus, keine Kolonnen von Safarifahrzeugen, keine Eile. Stattdessen verspricht Tembe vor allem eines: intensive, unmittelbare Begegnungen mit Afrikas Tierwelt. Berühmt ist der Park vor allem für seine Elefanten mit außergewöhnlich großen Stoßzähnen – Nachfahren einer genetisch besonderen Population, wie man sie heute nur noch selten findet.

Auch die Landschaft überrascht durch ihre Vielfalt. Dichte Sandwälder wechseln sich mit offenen Savannen und feuchten Niederungen ab, immer wieder verändert sich das Licht, die Farben, die Stimmung. Tembe ist kein Ort für Checklisten-Safaris, bei denen es darum geht, möglichst viele Arten abzuhaken. Es ist ein Park für Reisende, die sich Zeit nehmen, die Stille aushalten und echte Naturerlebnisse suchen.

Ein Besuch hier fühlt sich weniger wie ein Programmpunkt an, sondern mehr wie ein leises Eintauchen in das wilde Herz Afrikas. Wir waren schon einmal hier – damals allerdings nur für ein paar Stunden. Schon damals war klar: Wir würden zurückkehren. Diesmal bleiben wir zwei Nächte.                       Tembe Web Cam

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Die nächsten beiden Tage folgen einem ruhigen Rhythmus. Um Punkt 16 Uhr brechen wir jeweils zur Sundowner-Fahrt auf. Die Pirschfahrt führt uns tief in den Park, fast bis an die Grenze zu Mosambik. Dort, wo die Landschaft weit und offen wird und der Horizont zu flimmern beginnt, halten wir an. Ein Drink in der Hand, die untergehende Sonne vor Augen – der Himmel färbt sich langsam in warme Orange- und Rottöne, während die Silhouetten der Bäume immer dunkler werden.

Mit Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf den Rückweg. Jetzt verändert sich die Wahrnehmung: Geräusche werden lauter. Im Scheinwerferlicht tauchen nachtaktive Tiere auf, Augen blitzen im Unterholz, manchmal nur für einen kurzen Moment. Zurück im Camp wartet das gemeinsame Abendessen. Danach sitzen wir noch lange am Lagerfeuer, teilen Geschichten, lauschen den Geräuschen der Nacht. Das Knistern des Feuers mischt sich mit den Rufen aus dem Busch – eine Atmosphäre, die man nicht erklären, sondern nur erleben kann.

Der Morgen beginnt früh, noch vor Sonnenaufgang. Jetzt ist die beste Zeit für Tierbeobachtungen, bevor die Hitze des Tages alles langsamer werden lässt und sich das Leben in den Schatten zurückzieht. Mittags kehrt Ruhe ein. Wir bleiben im Camp, lesen, dösen, lassen die Stunden vorbeiziehen.

Und um 16 Uhr beginnt alles wieder von vorn – ein perfekter Kreislauf mit intensiven Momenten, der die Zeit vergessen lässt.

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Die vier Pirschfahrten sind geprägt von intensiven, oft sehr nahen Begegnungen mit der Tierwelt. Vor allem Elefanten bestimmen das Bild – majestätisch, gelassen und doch jederzeit respekteinflößend. Immer wieder kreuzen sie unseren Weg, stehen plötzlich am Rand der Piste oder tauchen lautlos aus dem Dickicht auf. Daneben sehen wir verschiedene Antilopenarten und eine beeindruckende Vielfalt an Vögeln, deren Rufe und Farben die Fahrten begleiten.

Dass wir darüber hinaus vergleichsweise wenige größere Wildtiere zu Gesicht bekommen, erklärt uns einer der Ranger. Die Löwenpopulation im Park sei derzeit zu hoch, ihr enormer Fleischbedarf habe viele der Grasfresser stark dezimiert. Aktuell arbeitet man daher an der Umsiedlung einiger Löwenfamilien, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen.

Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – bleiben die Begegnungen intensiv. Auch wenn sich keiner der großen Räuber blicken lässt, ist ihre Präsenz spürbar. Man weiß, sie sind da, irgendwo im Busch. Und genau dieses unsichtbare Mitwissen verleiht jeder Fahrt eine leise Spannung, die den Reiz dieses Ortes noch verstärkt.

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Nach den beiden intensiven Tagen im Park beginnt nun ein deutlich ruhigerer Abschnitt unserer Reise. Nach der letzten Morgenpirsch und einem ausgedehnten, üppigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Auf dem Papier sind es nur 220 Kilometer, in der Realität jedoch fast vier Stunden Fahrzeit. Die ersten rund 100 Kilometer bis zur Autobahn N2 verlangen Geduld: Der Straßenzustand ist schlecht, die Besiedlung nimmt stetig zu und die Fahrbahn gehört einmal mehr nicht nur dem Verkehr. Hunde, Schweine, Ziegen, Schafe und Kühe teilen sich den Raum mit uns – südafrikanischer Alltag in seiner ursprünglichsten Form.

Auch auf der Autobahn geht es nur zäh voran. Zahlreiche LKWs und Baustellen bremsen den Verkehr, doch schließlich erreichen wir am frühen Nachmittag unser Ziel: die Dusk to Dawn Farm. Wir waren bereits vor neun Jahren einmal hier – damals gab es gerade einmal drei Zimmer. Inzwischen hat sich einiges getan, das Anwesen wurde behutsam, aber deutlich erweitert.

Die Farm ist ein charmantes, familiengeführtes Gästehaus auf einem rund 1.800 Hektar großen, aktiven Bauernhof. Schweine und Rinder gehören ebenso zum Alltag wie Forstwirtschaft, dazu eine bodenständige, herzhafte Küche und komfortable Unterkünfte im gepflegten Landhausstil. Wir entscheiden uns für eines der hochwertig ausgestatteten Cottages – mit einem wunderbaren, weiten Blick über die sanft gewellte Landschaft. Ein Ort zum Durchatmen, Ankommen und Zur-Ruhe-Kommen.

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Den Nachmittag lassen wir bewusst ruhig angehen. Auf der Terrasse öffnen wir eine feine Flasche Wein, während ein kurzer Regenschauer über die Landschaft zieht und die Farben des Landes noch intensiver wirken lässt. Der Regen ist ebenso schnell vorbei, wie er gekommen ist, und schon blinzelt die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor, taucht die Farm in ein warmes, weiches Licht.

Wir nutzen das aufklarende Wetter für eine kleine Wanderung über das weitläufige Farmgelände. Die Ruhe ist beinahe greifbar, nur unterbrochen vom Zwitschern und Rufen zahlreicher Vögel, die sich in dieser idyllischen Umgebung offensichtlich besonders wohlfühlen. Die Bewegung an der frischen Luft sorgt für genau den richtigen Appetit.

Unser Cottage verfügt über eine voll ausgestattete Küche, im Farmhaus gibt es einen Deli mit hervorragenden vorgekochten Mahlzeiten. Das Abendessen ist herzhaft, ehrlich und wohltuend – genau das Richtige nach einem langen Reisetag. Später sitzen wir noch einmal auf der Terrasse, ein letztes Glas Wein in der Hand, und sprechen über die Highlights der kommenden Tage. Die Hälfte der Reise liegt bereits hinter uns, und sie war bisher schlicht phantastisch. Schon morgen wartet der Kruger-Nationalpark.

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Heute ist es so weit: Es geht in den Kruger-Nationalpark. Vor uns liegen rund 350 Kilometer – auf dem Papier keine allzu große Distanz, in der Realität jedoch eine echte Geduldsprobe. Dichtes Verkehrsaufkommen, unzählige Baustellen und schwerer Lkw-Verkehr machen das Vorankommen zäh. Kilometer um Kilometer zieht sich die Fahrt, und erst nach fast sieben Stunden erreichen wir endlich das Malelane Gate.

Mit dem Passieren des Tores fällt die Anspannung schlagartig ab. Dank unserer Wild Card ist das Registrierungsprozedere rasch erledigt, und wenige Minuten später rollen wir hinein in eine andere Welt. Staubige Straßen, weite Savannen, die ersten Akazien – allein das Gefühl, wieder im Kruger zu sein, lässt die Strapazen der Anreise sofort verblassen. Jetzt beginnt der Teil der Reise, auf den wir uns seit Wochen gefreut haben.

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... Und der Park liefert sofort. Kaum haben wir das Malelane Gate hinter uns gelassen, beginnt das große Staunen. Auf den gerade einmal 15 Kilometern bis zum Berg-en-Dal Rest Camp reiht sich eine Sichtung an die nächste: Elefanten ziehen gemächlich durch den Busch, Impalas springen elegant durchs hohe Gras, Büffel stehen träge im Schatten und Zebras setzen schwarz-weiße Akzente in die Landschaft. Ein perfekter Auftakt. Als wir schließlich am späten Nachmittag im Camp ankommen, sind wir zwar glücklich, aber auch spürbar erschöpft von der langen Anreise. Für eine weitere Pirschfahrt reicht die Energie nicht mehr. Stattdessen machen wir es uns auf der Terrasse unseres Bungalows gemütlich, lassen den Tag in Ruhe ausklingen. 

Berg-en-Dal liegt im südwestlichen Zipfel des Kruger-Nationalparks und macht seinem Namen – „Berg und Tal“ – alle Ehre. Die Landschaft ist rauer als in vielen anderen Teilen des Parks: zerklüftete Hügel, trockene Flussläufe und die Matjulu-Spruit prägen das Bild. Busch, Felsen, Wasser – eine Kulisse wie aus einem klassischen Safari-Gemälde.

Unser Bungalow liegt am äußeren Rand des Camps. Kein Luxus, ganz sicher nicht das Ritz, aber sauber, zweckmäßig und mit einem freien Blick in den Busch, der für wohltuende Privatsphäre sorgt. Kaum zu glauben, dass sich hier fast hundert Unterkünfte befinden. Zwar gibt es im Camp ein Restaurant, doch ab heute setzen wir auf Selbstversorgung. Gekocht oder gegrillt wird selbst, ganz nach unserem Rhythmus. Nach dem Essen sitzen wir noch lange zusammen, lauschen den Geräuschen der Nacht und planen in aller Ruhe die Routen für die kommenden Tage. Der Kruger liegt vor uns – und das Abenteuer kann beginnen.

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Der Plan ist klar: In den kommenden Tagen wollen wir den Kruger von Süd nach Nord durchqueren – bewusst abseits der bekannten Hauptachsen, über kleinere Straßen, zu Camps, die wir bisher noch nicht kennen. Heute bleiben wir allerdings noch im südlichen Teil des Parks. Wir starten mit der Toröffnung um 05:30. Unser Etappenziel ist Lower Sabie. Auf direktem Weg wären es rund 80 Kilometer und vielleicht zwei Stunden Fahrzeit. Doch der Kruger folgt seinen eigenen Regeln – und so werden daraus knapp 200 Kilometer und fast acht Stunden voller Erlebnisse.

Die Tierdichte in diesem Teil des Parks ist schlicht überwältigend. Kaum ein paar Kilometer, ohne dass wir abbremsen, stehen bleiben oder den Motor ganz abstellen. Allein heute sehen wir 15 Breitmaulnashörner – ein unglaubliches Privileg. Einmal sogar eine Gruppe von sieben Tieren, dicht beieinander, ruhig grasend, als wäre diese Begegnung das Selbstverständlichste der Welt.

Dazu kommen unzählige Elefanten, die gemächlich durch den Busch ziehen oder an den Wasserstellen stehen. Bei den Hippo Pools nahe dem Crocodile Bridge Rest Camp entdecken wir ganze Flusspferd-Familien, nur Augen, Ohren und Nasenlöcher ragen aus dem Wasser, begleitet vom tiefen, grollenden Grunzen.

Und dann der Moment, der diesen Tag krönt: Ein junger Leopard, hoch oben in der Krone eines Baumes. Elegant, entspannt, vollkommen souverän liegt er dort und beobachtet die Welt unter sich. Wir stehen lange da, sagen kaum ein Wort und genießen dieses seltene Geschenk.

Als wir am späten Nachmittag schließlich Lower Sabie erreichen, sind wir müde, staubig und überwältigt. Acht Stunden im Auto – und doch keine Sekunde verloren. Genau so fühlt sich Kruger an: Jeder Umweg lohnt sich.

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Lower Sabie Rest Camp zählt nicht ohne Grund zu den bekanntesten und beliebtesten Camps im Kruger-Nationalpark. Seine Lage direkt am Ufer des Sabie River ist schlicht spektakulär – kaum ein anderer Ort im Park bietet eine derart intensive Nähe zur Tierwelt, ganz ohne das Camp verlassen zu müssen. Die Vegetation rund um Lower Sabie ist üppig und wirkt fast parkähnlich: mächtige Sycamore-Feigen, Marula- und Natal-Mahagoni-Bäume spenden wohltuenden Schatten und bilden zugleich einen Magneten für unzählige Vogelarten. 

Wir haben großes Glück und beziehen eine Hütte mit direktem Blick auf den Sabie River. Büffel und Flusspferde liegen träge im Wasser. Die Pause wird so ganz nebenbei zur Pirschfahrt im Sitzen.

Am späten Nachmittag brechen wir noch einmal auf und fahren hinunter zum Sunset-Damm. Die tief stehende Sonne taucht die Landschaft in warmes Licht. Pünktlich – zehn Minuten vor Gate-Schluss um 18:30 – rollen wir wieder ins Camp.

Und dann geschieht etwas, das man in vielen Kruger-Camps fast wie ein tägliches Ritual erlebt: Wie auf ein geheimes Zeichen hin werden überall die Feuerstellen entzündet. Rauch steigt zwischen den Bäumen auf, das Knistern der Braais mischt sich mit Stimmen und Gelächter. Der Duft von gegrilltem Fleisch liegt in der Luft, während über dem Fluss langsam die Dämmerung hereinbricht. Ein perfekter Abschluss eines großen Safari-Tages.

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Um sechs Uhr verlassen wir Lower Sabie, und machen uns auf den Weg nach Norden. Unser heutiges Ziel heißt Tamboti, rund 140 Kilometer entfernt – wobei wir längst wissen, dass diese Zahl im Kruger kaum etwas bedeutet. Am Ende werden es wieder fast 200 Kilometer sein, verteilt über unzählige Stopps, Umwege und staunende Pausen.

Der Morgen empfängt uns ungewohnt still und feucht. Ein feiner Nieselregen liegt über der Landschaft, dämpft Geräusche und taucht den Busch in sanfte Grautöne. Wir fahren noch einmal zum Sunset-Damm. Und tatsächlich: Das alte, vertraute Krokodil liegt noch immer an seinem Platz, reglos wie eine steinerne Skulptur, als hätte es sich eigens für uns nicht bewegt.

Je weiter wir nach Norden kommen, desto abwechslungsreicher wird der Tag. Gegen Mittag dann der Moment, auf den man immer hofft: unsere erste Löwensichtung dieser Reise. Eine Löwin, vollkommen entspannt, liegt im hohen Gras. Der Rest des Tages ist ein Mosaik aus Begegnungen: Elefanten, die gemächlich die Straße queren, Wasserböcke in den Feuchtgebieten, lärmende Paviane am Straßenrand, Adler hoch oben in den Bäumen und Gänse, die an Wasserläufen ihr Revier verteidigen. Immer wieder halten wir an, schauen, hören, warten – Zeit spielt hier keine Rolle.

Am Nachmittag erreichen wir schließlich Tamboti. Müde, aber zufrieden rollen wir ins Camp. Ein weiterer Tag im Kruger, reich an Eindrücken, leise, intensiv – genau so, wie wir ihn lieben.

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Das Tamboti Tented Camp liegt still und fast versteckt am Ufer des Timbavati-Flussbetts, nur wenige Kilometer vom Orpen Gate entfernt, und fühlt sich an wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Kein Trubel, keine Infrastruktur, die an Zivilisation erinnert – kein Restaurant, kein Shop, keine Pools. Nur Busch. Genau so, wie wir es mögen.

Die permanent errichteten Safari-Zelte stehen auf Stelzen, weit voneinander entfernt, jedes mit eigener Veranda und Blick in das meist trockene Flussbett. Die Weite zwischen den Zelten schafft eine wohltuende Distanz zu anderen Gästen und verstärkt das Gefühl, allein in dieser Landschaft zu sein. Alles ist schlicht, funktional und ehrlich – nichts lenkt vom Wesentlichen ab.

Als wir gegen 17:00 im Camp ankommen, ist schnell klar: Heute bleiben wir hier. Ein Sundowner auf der Veranda, das Licht wird weicher, die Schatten länger. Kurz darauf knistert bereits das Braai-Feuer. Von den rund 40 Zelten sind nur wenige belegt, das Camp wirkt beinahe verlassen. Die Stille ist intensiv, fast greifbar, und lässt die Geräusche des Buschs umso deutlicher hervortreten.

Wir sitzen lange draußen, hören das Zirpen der Insekten, das Rascheln im Unterholz, irgendwo das entfernte Rufen eines Nachtvogels. Nicht nur aus Genuss bleiben wir so lange auf – auch die Hitze zwingt uns dazu. Eine Klimaanlage gibt es hier natürlich nicht, und im Inneren des Zeltes staut sich die Wärme des Tages gnadenlos. Doch selbst das gehört dazu. Tamboti ist kein Ort des Komforts, sondern ein Ort des Erlebens. Und genau deshalb fühlt sich dieser Abend so intensiv, so echt an.

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Am frühen Morgen decken wir den Frühstückstisch auf der Terrasse. Der Blick über das trockene Flussbett ist schlicht großartig: sanftes Morgenlicht, erste Vogelstimmen, die Hitze des Tages noch weit entfernt. Ein perfekter Start in den Tag – denken wir.

Die Paviane in den umliegenden Bäumen sehen das offenbar genauso. Kaum steht das Frühstück, fühlen sie sich eingeladen, mitzufeiern. Für sie ist es ein gedeckter Tisch, für uns eher eine Grenzüberschreitung. Wir versuchen zunächst höflich, dann zunehmend bestimmt, unsere neuen Gäste zum Weiterziehen zu bewegen.

Christine greift schließlich zum Besen und übernimmt die Verteidigungslinie auf der Terrasse. Auf der Gegenseite eine Gruppe selbstbewusster Paviane, bestens bewaffnet mit kräftigen Körpern und nicht ganz ungefährlichen Zähnen. Es entwickelt sich eine kurze, aber intensive Pattsituation: viel Geschrei, drohende Gesten, gegenseitiges Fixieren.

Am Ende gibt es keinen wirklichen Sieger. Die Paviane ziehen sich zurück – allerdings nicht ohne Beute. Ein Teil unseres Frühstücks ist verschwunden, wir dafür um eine Erfahrung reicher. Zurück bleibt ein leicht zerzauster Frühstückstisch, Adrenalin in den Adern und das sichere Gefühl: Im Busch gelten andere Regeln. Und die werden uns jeden Morgen aufs Neue erklärt.

Nun verlassen wir das Camp in Richtung Satara – allerdings nicht auf dem direkten Weg, sondern über die S106, die sogenannte Rabelais-Schleife. Eine dieser Straßen, auf denen man nie weiß, was hinter der nächsten Kurve wartet. Und genau das macht ihren Reiz aus.

Nach wenigen Kilometern sehen wir vor uns einen Wagen am Straßenrand stehen. Ein untrügliches Zeichen im Kruger: Hier lohnt es sich, langsamer zu werden. Und tatsächlich – was sich uns bietet, übertrifft alles bisher Dagewesene. Im hohen Gras, locker verstreut und vollkommen entspannt, liegt ein Rudel Wildhunde. Mehr als zwanzig Tiere, einige dösen, andere spielen, wieder andere beobachten aufmerksam ihre Umgebung. Diese seltenen, faszinierenden Jäger in freier Wildbahn zu sehen, ist ein Privileg – ein Moment, den man kaum in Worte fassen kann.

Nach einiger Zeit fährt das andere Fahrzeug weiter, und plötzlich gehört diese Szene nur noch uns. Keine Motorengeräusche, keine Stimmen, nur wir und das Rudel. Wir bleiben lange stehen, fast ehrfürchtig, und saugen jede Bewegung, jeden Blick in uns auf. Solche Begegnungen sind der Grund, warum man immer wieder hierher zurückkehrt. Ein Augenblick, der sich tief ins Gedächtnis eingräbt.

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Unser heutiges Ziel, Shimuwini, liegt noch rund 170 Kilometer nördlich – eine Distanz, für die wir einmal mehr den gesamten Tag einplanen. Im Kruger sind Kilometer eben keine Maßeinheit, sondern ein Versprechen: auf Zeit, Geduld und unerwartete Begegnungen.

Nach etwa 50 Kilometern erreichen wir Satara, eines der größeren Camps im Park. Hier füllen wir unsere Vorräte auf, tanken den Wagen voll und gönnen uns eine kurze Verschnaufpause. 

Und schon sind wir wieder auf der Piste. Die Landschaft öffnet sich, die Straßen ziehen sich endlos durch Savanne und Buschveld – und kaum sind wir unterwegs, wird klar: die nächsten Abenteuer warten.

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Das Shimuwini Bushveld Camp empfängt uns mit einer wohltuenden Stille. Eingebettet in eine weite, offene Landschaft liegt es zwischen den sanften Hügeln im Westen und den fernen Lebombo-Bergen im Osten, direkt am Letaba-Flusslauf und am Shimuwini-Damm. Kein Durchgangsverkehr, kein Trubel – nur Natur. Statt großer Restcamp-Strukturen gibt es hier lediglich 15 Cottages, locker entlang des Damms verteilt. Alles wirkt bewusst reduziert, fast intim. Genau das macht den besonderen Reiz dieses Ortes aus: Shimuwini fühlt sich nicht wie ein Camp an, sondern wie ein stiller Beobachtungsposten mitten in der Wildnis.

Schon von der Veranda aus eröffnet sich ein lebendiges Panorama. Elefanten ziehen gemächlich zum Wasser, Büffel sammeln sich am Ufer, Flusspferde blubbern im Damm und irgendwo dazwischen lauern Krokodile regungslos im Schlamm. Darüber ein ständiges Kommen und Gehen der Vogelwelt – Reiher, Eisvögel, Störche und unzählige andere nutzen den Fluss als Lebensader. Wer will, setzt sich in die kleine Bird Hide direkt am Wasser und vergisst dort jede Zeit.

Wir entscheiden schnell: Heute bleiben wir hier. Kein weiteres Hinausfahren, kein Motorengeräusch mehr. Ein Sundowner auf der Veranda reicht vollkommen, während sich das Licht langsam verändert und die Geräusche der Wildnis lauter werden.

Später folgt das vertraute Ritual: Braai anheizen, Abendessen unter freiem Himmel und danach noch lange sitzen bleiben. Lauschen. Hören. Spüren. Die Nacht legt sich schwer und warm über das Camp, und irgendwo im Dunkeln bewegt sich Afrika weiter – ganz ohne uns.

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Nicht immer ist das Equipment perfekt, hier mussten wir mit einem großen Stein den Grillrost in Stellung halten.

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Schweren Herzens nehmen wir Abschied von Shimuwini. Dieses Camp hat sich still, aber nachhaltig in unser Reisegedächtnis eingebrannt. Noch vor dem Frühstück setzen wir uns ein letztes Mal in die Bird Hide. Der Damm liegt ruhig da, nur gelegentlich durchbrochen vom Flügelschlag der Vögel. Reiher stehen regungslos im seichten Wasser, Eisvögel schießen wie blaue Pfeile über die Oberfläche, irgendwo ruft ein Fischadler. Wir lassen uns Zeit – niemand drängt, nichts treibt uns an.

Heute ist ein entspannter Reisetag. Nur rund 120 Kilometer trennen uns von unserem nächsten Ziel, dem Sirheni Bushveld Camp, und wir haben den ganzen Tag dafür. Kein Grund zur Eile, eher eine Einladung, den Kruger noch einmal bewusst in uns aufzunehmen. Langsam packen wir zusammen, trinken unseren Kaffee mit Blick ins Buschland und rollen schließlich gemächlich los – wissend, dass dieser Abschnitt der Reise weniger vom Ankommen als vom Dazwischen geprägt sein wird.

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Ein stiller Tag liegt vor uns. Keine großen Sensationen, keine dramatischen Begegnungen – dafür viele kleine Momente, die den Kruger so besonders machen. Ein Warzenschwein, das unbeirrt die Straße kreuzt, Impalas im ersten Morgenlicht, Vögel, die sich nach dem kurzen Regen im feuchten Busch putzen. Genau diese unspektakulären Augenblicke lassen die Zeit wie im Flug vergehen.

Nach rund dreißig Kilometern erreichen wir Mopani, eines der größeren Camps im nördlichen Teil des Parks. Wir nutzen die Gelegenheit, unseren Getränkevorrat aufzufüllen und noch ein paar Lebensmittel für die letzten beiden Tage der Selbstversorgung einzukaufen. Gleich hinter Mopani passieren wir den südlichen Wendekreis, den Tropic of Capricorn. 

Kurz darauf wechseln wir auf die S144, die alte Hauptverbindung, und schlagen einen Umweg über die S143 und schließlich die S50 ein. Die Strecke führt nah an der Grenze zu Mosambik entlang und wirkt abgelegen, weit, fast vergessen. Am Vormittag hat es noch kurz geregnet, nun reißt der Himmel auf. Die Sonne gewinnt schnell an Kraft, und innerhalb weniger Minuten klettert das Thermometer deutlich über die 30-Grad-Marke.

Im Camp Shingwedzi legen wir eine kurze Pause ein, lassen die Hitze etwas abklingen, trinken Wasser und atmen durch. Dann geht es weiter – der letzte Abschnitt wartet, und mit ihm das Gefühl, immer tiefer in den stillen, weniger besuchten Norden des Kruger einzutauchen.

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Sirheni ist das nördlichste der Bushveld Camps im Kruger – abgeschieden, ruhig und eingebettet in die weiten Mopane-Ebenen des hohen Nordens. Das Camp liegt am Ufer des Mphongolo River, der zurzeit zwar ausgetrocknet ist, seine Funktion als natürliche Lebensader aber dennoch nicht verloren hat. Die 15 freistehenden, gut ausgestatteten Cottages verteilen sich locker entlang des Flusslaufs, jedes mit Küche, Bad, Ventilatoren und eigener Braai-Stelle – Selbstversorgung pur, genau nach unserem Geschmack.

Schon bei der Ankunft fällt die Stille auf. Wie schon bei unserem Besuch vor einem Jahr ist kaum jemand hier, außer uns steht nur ein weiteres Auto im Camp. Trotz des trockenen Flussbetts zeigt sich eine kleine Elefantengruppe in der Nähe des Zauns, als wollte sie daran erinnern, dass man sich hier mitten im Reich der Wildnis befindet.

Der Tag ist extrem heiß, die Luft steht beinahe unbeweglich. Umso dankbarer sind wir für den Schatten der Veranda, auf der wir den Nachmittag verbringen, ein Glas Wein in der Hand, den Blick hinaus in die flirrende Landschaft gerichtet und die Zeit einfach verstreichen lassen. Alles ist auf das Warten ausgerichtet – auf den Abend, auf etwas kühlere Luft, auf das langsame Umschlagen des Tages in die Nacht.

Nach dem Abendessen bleiben wir noch lange draußen sitzen. Die Hitze hält sich hartnäckig, und die Dunkelheit liegt schwer über dem Camp. Dann, ganz plötzlich, verändert sich die Stimmung. Geräusche werden lauter, dichter, unmittelbarer. Ein tiefes Rascheln, das Knacken von Ästen, dumpfe Schritte. Eine Elefantenherde zieht direkt am Zaun vorbei – nur wenige Meter von uns entfernt. Es ist zu dunkel, um mehr als schemenhafte Umrisse zu erkennen, doch die Präsenz dieser Tiere ist überwältigend. Wir wagen kaum zu atmen, geschweige denn uns zu bewegen.

Nach etwa einer halben Stunde ebbt die Geräuschkulisse langsam ab. Die Herde zieht weiter, und mit ihr kehrt die Ruhe zurück. Zurück bleibt ein Gefühl tiefer Ehrfurcht – und die Gewissheit, gerade etwas erlebt zu haben, das man nicht planen kann. Ein stilles, intensives und unvergessliches Stück Afrika.

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Am Morgen liegt ein feiner Nieselregen über dem Camp. Kein Grund zur Eile. Heute wartet nur eine kurze Etappe auf uns, knapp 80 Kilometer bis zum Pafuri Border Camp, und wir lassen den Tag bewusst langsam beginnen. Der Regen legt sich wie ein weicher Schleier über die Landschaft und taucht den Busch in gedämpfte Farben, alles wirkt stiller. Je weiter wir nach Norden vordringen, desto spürbarer verändert sich der Charakter des Kruger Nationalparks.  Dichtere, sattgrüne Vegetation bestimmt das Bild – das sogenannte Sandveld –, durchsetzt mit einer erstaunlichen Vielfalt an Pflanzenarten. Immer wieder ragen mächtige Baobabs in den Himmel, uralt und monumental. Flüsse wie der Luvuvhu schneiden sich durch das Land und schaffen üppige Flussauen, die einen starken Kontrast zur trockeneren Umgebung bilden.

Die Landschaft ist hier deutlich hügeliger als im südlichen Lowveld. Granit-Koppies, sanfte Täler und ein fast schon hochlandartiger Charakter verleihen dem Norden eine raue, ursprüngliche Schönheit. Die Tierdichte ist spürbar geringer, große Herden sieht man selten, doch genau das verleiht diesem Abschnitt seine besondere Atmosphäre. Es fühlt sich weniger nach klassischer Safari an, mehr nach Entdeckungsreise durch ein botanisches Paradies.

Wir stellen uns auf einen ruhigen Tag ein – auf weite Ausblicke, leere Pisten, das Spiel von Licht und Wolken über der Landschaft. 

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Doch wie so oft auf Safari gilt: Man sollte sich niemals zu sicher sein. Kaum haben wir uns auf einen ruhigen, unspektakulären Tag eingestellt, belehrt uns der Park eines Besseren. Nur wenige Kilometer nach dem Start, auf der Umfahrung S56, entdecken wir zunächst drei alte Büffelbullen. Massive Körper, breite Hörner, langsam und gelassen – sie wirken wie Relikte aus einer anderen Zeit.

Keine hundert Meter weiter dann der eigentliche Paukenschlag: ein Löwenrudel. Rund fünfzehn Tiere liegen links und rechts der Straße, träge im Schatten der Büsche verstreut, kaum wahrnehmbar auf den ersten Blick. Eine unglaubliche Szene – und das alles nur einen Kilometer vor dem Picknickplatz Babalala.

Es ist früher Morgen und wir sind vollkommen allein. Kein weiteres Fahrzeug, keine Stimmen, kein Motorengeräusch. Nur wir und die Löwen. Die Gruppe besteht überwiegend aus Weibchen und Jungtieren, gut genährt, entspannt, beinahe schläfrig. Ab und zu wandert ein Blick hinüber zu den Büffelbullen, die in etwa hundert Metern Entfernung friedlich grasen. Ein stilles Kräftemessen auf Distanz. Doch die Büffel zeigen keinerlei Nervosität, keinerlei Respekt – sie fressen unbeirrt weiter.

Wir bleiben über eine Stunde. Eine Stunde, in der eigentlich nichts passiert – und doch alles. Gähnende Löwen, die sich im Staub wälzen, ein Jungtier, das kurz aufsteht und sich wieder fallen lässt. Safari in ihrer pursten Form: Geduld, Beobachtung, Stille.

Als wir schließlich weiterfahren, ist die Szenerie noch unverändert – und noch immer ist kein anderes Auto aufgetaucht. Ein exklusiver Moment, der sich anfühlt wie ein Geschenk. 

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Wir sind noch völlig aus dem Häuschen und würden diese unglaubliche Sichtung am liebsten sofort mit jemandem teilen. Doch weder am nahen Picknickplatz treffen wir eine Menschenseele, noch kommt uns auf der Straße ein einziges Fahrzeug entgegen. Der Norden des Kruger zeigt sich heute beinahe gespenstisch leer – fast touristenfrei, still, weit.

Wir fahren weiter auf der Hauptroute, noch immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht, und das Glück bleibt uns treu. Eine große Büffelherde quert gemächlich die Straße. Kurz darauf tauchen mehrere Zebras auf, ihr Schwarz-Weiß leuchtet kontrastreich vor dem grünen Busch. Am Nkovakulu-Wasserloch dann ein weiteres kleines Schauspiel: Ein einzelner Elefant steht am Rand des Reservoirs, zieht mit seinem Rüssel Wasser hoch und lässt es sich genüsslich über Maul und Körper laufen.

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Es ist bereits Mittag, als wir am Baobab Hill vorbeifahren und kurz darauf die Brücke über den Luvuvhu River erreichen – höchste Zeit, sich ein wenig die Beine zu vertreten. Diese Brücke gehört seit Jahren zu unseren absoluten Lieblingsplätzen im Park. Inzwischen sind wir bestimmt schon zum fünften Mal hier, und doch verliert dieser Ort nichts von seiner Magie.

Hier verläuft auch die Grenze zur Makuleke-Konzession. Nordwärts gehört das rund 26.500 Hektar große Gebiet seit 1998 wieder der Makuleke-Gemeinschaft, die es nach langen und zähen Verhandlungen zurückerhalten hat. Heute gilt die Konzession als Vorzeigemodell für nachhaltigen Naturschutz und sanften Tourismus, von dem die lokale Bevölkerung direkt profitiert. 

Da wir ausreichend Zeit haben, beschließen wir, zwei ganz besondere Orte in diesem Gebiet anzusteuern. Zuerst Crooks Corner: ein historisch wie landschaftlich faszinierender Punkt, an dem Luvuvhu und Limpopo zusammenfließen und die Grenzen von Südafrika, Simbabwe und Mosambik aufeinandertreffen. Einst ein Rückzugsort für Wilderer, Schmuggler und Gesetzlose, die dem Gesetz mit wenigen Schritten über den Fluss entkommen konnten, ist der Ort heute ein friedlicher Aussichtspunkt für Tier- und Vogelbeobachtungen.  Weiter geht es in den Fever Tree Forest – ein beinahe mystischer Ort. Die leuchtend gelb-grünen Fieberbäume mit ihren glatten, schimmernden Stämmen, die Photosynthese über die Rinde betreiben, stehen dicht beieinander und bilden eine fast kathedralenartige Kulisse. 

Auch auf dieser Fahrt bleibt uns das Glück treu. Immer wieder halten wir an, entdecken Tiere am Wegesrand, beobachten, staunen – und einmal mehr bestätigt sich, dass dieser abgelegene Norden des Kruger voller leiser, aber intensiver Momente steckt.

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Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich das Pafuri Border Camp – das nördlichste SanParks-Camp im gesamten Kruger-Nationalpark, unmittelbar an der Grenze zu Mosambik gelegen. Ein Ort, der sich schon beim Ankommen anders anfühlt als all die Camps zuvor. Wir befinden uns hier in einer der geschichtsträchtigsten Regionen des Parks. Der äußerste Norden, dort wo Südafrika, Simbabwe und Mosambik aufeinandertreffen, war lange vor der Gründung des Kruger-Nationalparks ein Grenzraum zwischen Kulturen, Handelswegen und Lebensräumen. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die kolonialen Grenzen gezogen wurden, bekam Pafuri eine neue Funktion: Grenzüberwachung. In dieser entlegenen Gegend entstand ein kleiner Posten, der den Übergang zwischen den Ländern kontrollieren sollte. Genau aus dieser Zeit stammt auch der besondere Charakter des heutigen Pafuri Border Camps – kein klassisches Touristencamp, sondern ein ehemaliger Außenposten für Beamte, Ranger und Grenzpersonal. Noch heute ist dieser Ursprung spürbar. Es gibt hier nur drei Selbstversorger-Unterkünfte: das große Mockford House für bis zu acht Personen, das Mockford Cottage für maximal vier Gäste und schließlich unsere Wahl – das Doctors Guest House mit Platz für bis zu sechs Personen. Schon beim Betreten sind wir begeistert: viel Raum, eine wunderbare Lage mitten im Busch. Alles wirkt großzügig, ruhig und angenehm unaufgeregt.

Nachdem wir ausgepackt haben, ziehen wir uns auf die große Terrasse zurück und gönnen uns eine wohlverdiente Pause. Der Blick schweift ungehindert in die Landschaft, und langsam stellt sich dieses tiefe Gefühl von Angekommensein ein. Dann beginnt unser vertrautes Ritual: Sundowner, das Braai anheizen, Abendessen – begleitet von der warmen Luft und dem sanften Licht des späten Tages, der den Busch in goldene Farben taucht. Es ist wieder eine sehr warme Nacht, und zugleich unsere letzte im Kruger. Also sitzen wir länger als sonst, lassen den Tag Revue passieren und sprechen immer wieder über die unglaubliche Löwensichtung vom Morgen. Ein Erlebnis, das noch lange nachhallt.

Einziger Wermutstropfen ist das permanente Brummen der Dieselgeneratoren der nur etwa hundert Meter entfernten Grenzstation. Es ist ein Geräusch, das immer wieder an die Zivilisation erinnert – und doch: Ohne dieses Brummen wäre die Illusion von Afrika, so wie wir es im Kopf und im Herzen tragen, vollkommen.

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Es ist unser letzter Tag im Kruger, und wir wollen jede Minute auskosten. Noch früh am Morgen verlassen wir das Pafuri Border Camp und folgen der S63, die sich sanft am Fluss entlangzieht. Das Licht ist weich, die Luft noch angenehm kühl, und alles fühlt sich ein wenig intensiver an – wohl wissend, dass es ein Abschied ist.

Am Pafuri Picknickplatz legen wir eine erste Pause ein. Kaum haben wir angehalten, kreisen über uns dutzende Geier. Es müssen an die fünfzig sein, die lautlos auf den Aufwinden gleiten und ihre Schatten über den Boden ziehen. Ein eindrucksvolles, fast archaisches Schauspiel. Ein letztes Mal halten wir auf der Brücke über den Luvuvhu River. Wir lehnen uns an das Geländer, blicken in das grüne Flussband und lassen die Landschaft bewusst auf uns wirken. Die mächtigen Baobabs stehen wie uralte Wächter in der Ebene. Wir saugen jedes Detail in uns auf, als wollten wir es für später konservieren.

Auch die Tierwelt verabschiedet sich nicht leise. Wir werden noch einmal mit außergewöhnlichen Sichtungen belohnt: Ein wütender Elefantenbulle, der unmissverständlich klar macht, wer hier das Sagen hat; eine einsame Hyäne, die gemächlich unseren Weg kreuzt; unzählige Störche. Und schließlich, kurz vor der Ausfahrt durch das Punda Maria Gate, zwingt uns eine riesige Büffelherde zum Anhalten. Minutenlang steht alles still, während die Tiere gemächlich die Straße überqueren, ein würdiger Abschied.

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Kurz nach Mittag verlassen wir den Kruger Park. Vor uns liegen noch etwa 240 Kilometer und rund drei Stunden Fahrt Richtung Süden. Was uns erwartet, trifft uns härter als gedacht. Nach einer Woche im Park – meist fernab der touristischen Hotspots, umgeben von nichts als Natur, Weite und Stille – vergisst man erstaunlich schnell, wie die Welt außerhalb aussieht.

Kaum haben wir den Park hinter uns gelassen, beginnt die Zivilisation mit voller Wucht. Siedlungen reihen sich aneinander, dazwischen Müll, Schutt und Staub links und rechts der Straße. Die Route liest sich wie eine endlose Abfolge von Straßennummern: R524, R81, R529, R71, R526, R40 – Straße folgt auf Straße, Ortschaft auf Ortschaft, nur gelegentlich unterbrochen von ein paar Kilometern freiem Land, das kurz Hoffnung macht, bevor die nächste Ansammlung von Häusern auftaucht.

In Hoedspruit erreichen wir schließlich unser Ziel: die African Rock Lodge. Die Unterkunft ist sauber, ordentlich, die Gastgeber freundlich – alles soweit in Ordnung. Doch die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität lässt sich nicht übersehen. Auf der Homepage ist von „mitten in der afrikanischen Wildnis“, von „unberührtem Busch“ und davon die Rede, dass „vielleicht sogar Tiere um einen herumstreifen“. Unsere Wahrnehmung ist eine andere: Wir sehen eine riesige Siedlung am Rand der Stadt, Haus an Haus, größtenteils weitere Lodges, sauber und gepflegt – ja, aber für uns weit entfernt von Wildnis.

Schön und unberührt fühlt sich anders an. Vielleicht sind wir nach den letzten Tagen im Kruger einfach verwöhnt, vielleicht auch nur ehrlicher geworden, was wir suchen. Viel unternehmen wir hier nicht mehr. Wir sitzen auf der Terrasse, trinken ein Glas Wein, genießen ein wirklich gutes Abendessen und ziehen uns bald zurück.

Morgen wollen wir so früh wie möglich weiter. Dieser Ort bietet uns nicht viel – zumindest nicht das, wonach wir gerade suchen.

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Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf – vor uns liegen die letzten großen Highlights dieser Reise. Nach rund 70 Kilometern erreichen wir die Panorama Route, eine der spektakulärsten Strecken Südafrikas. Sie windet sich entlang der Drakensberge und eröffnet immer wieder atemberaubende Blicke hinunter ins tief liegende Lowveld.

Der gigantische Blyde River Canyon, die markanten „Three Rondavels“, die bizarr ausgewaschenen Bourke’s Luck Potholes, dazu Wasserfälle, tiefe Schluchten und schwindelerregende Aussichtspunkte. Wir kennen die Route von früheren Reisen – und doch verliert sie nichts von ihrer Wirkung. Jeder Halt, jeder Blick über die Kante fühlt sich an, als würde man sie zum ersten Mal sehen.

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Gegen späten Vormittag meldet sich ein leises, aber bestimmtes Hungergefühl. Und fast wie bestellt taucht am Straßenrand ein handgemaltes Schild auf: Potluck Boskombuis – open-air restaurant. Eine Einladung, die man nicht ignorieren kann.

Also biegen wir ab. Ein abenteuerlicher, steiniger Weg führt hinunter zum Fluss, dann über eine schmale Brücke auf die andere Seite – schon die Anfahrt fühlt sich an wie ein kleines Abenteuer. Und die Belohnung lässt nicht lange auf sich warten: eine wunderbar idyllische Lage mitten in der Natur, einfache Holztische unter freiem Himmel und der Blick auf den ruhig dahinfließenden Fluss.

Auf den Tisch kommen lokale Spezialitäten, wie sie authentischer kaum sein könnten: würziges Bobotie, dampfender Mielie Pap, saftige Spare Ribs und Fleischspieße, alles in einer offenen Feldküche von Einheimischen frisch zubereitet. Kein Chichi, keine Inszenierung – einfach ehrliches, großartiges Essen.

Wir genießen jeden Bissen, lassen uns noch einen Kaffee schmecken und kosten diesen besonderen Ort aus. Doch lange bleiben können wir nicht. Unser heutiges Ziel kennen wir bereits – und dort möchten wir noch so viel Zeit wie möglich verbringen. Schweren Herzens brechen wir wieder auf, bereichert um eine dieser kleinen, unerwarteten Begegnungen, die Reisen so besonders machen. (seit 2020 leider geschlossen)

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Die Timamoon Lodge ist kein Hotel im klassischen Sinn, zutiefst romantisch und von einem außergewöhnlichen Stilmix geprägt. Marokkanische Ornamente, indische Stoffe und balinesische Leichtigkeit verschmelzen hier zu einer Atmosphäre, die sofort entschleunigt. Eingebettet in üppigen Wald, hoch über dem Sabie River, scheint die Außenwelt mit jedem Meter der Anfahrt weiter zu verschwinden. Schon diese ist Teil des Erlebnisses: Ein schmaler, einspuriger Waldweg führt steil hinab, das Grün schließt sich dicht um das Fahrzeug. Dann die schmale Brücke, direkt über den Sabie River – das Wasser glitzert unter uns –, danach wieder steil bergauf zur Rezeption.

Die Lodge besteht aus nur sieben großzügig verteilten Villen, jede für sich ein kleines Refugium mit maximaler Privatsphäre. Individuell gestaltet, mit privaten Pools und viel Liebe zum Detail. Es ist bereits unser dritter Aufenthalt hier – und doch sind wir wieder genauso begeistert wie beim ersten Mal. Wir beziehen erneut die Moon River Villa, genau jene, die uns damals schon verzaubert hat. Für uns schlicht perfekt.

Den restlichen Tag verbringen wir ganz bewusst im Nichtstun. Wir sitzen am Pool, lassen den Blick ins Grün schweifen und lauschen den Geräuschen des Waldes: Vogelrufe, raschelnde Blätter, das leise Murmeln des Flusses irgendwo unterhalb. Zeit verliert hier ihre Bedeutung.

Wir sind zwei Nächte hier und bewegen uns nicht hinaus, nur zum Frühstück und Abendessen geht es den Hang hinauf zum Restaurant, den Rest verbringen wir auf der Terrasse und im Pool.

Am zweiten Abend wartet der krönende Abschluss: ein Candle-Light-Dinner auf der eigenen Terrasse. Kerzenlicht, exzellente exotische Küche, absolute Stille – nur wir, der Wald und dieser Moment. Besser geht es nicht.

Ein wundervoller, würdiger letzter Abend in Südafrika.                                       Video Moon River

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Abreisetag. Noch einmal dürfen wir uns Zeit lassen – unser Flug über Frankfurt nach Wien geht erst am Abend. Kein hektisches Packen, kein nervöser Blick auf die Uhr. Stattdessen ein letztes, ausgiebiges Frühstück, bei dem wir die Eindrücke der vergangenen Wochen Revue passieren lassen. Dann wird gepackt, sorgfältig und routiniert, als wollten wir den Moment des Abschieds noch ein wenig hinauszögern.

Auf dem Weg Richtung Johannesburg gönnen wir uns einen letzten Abstecher auf die Panoramaroute. Die Mac Mac Falls, ein markanter Zwillingswasserfall, stürzen rund 65 bis 70 Meter in die Tiefe – kraftvoll, kühl, beeindruckend. Nur zwei Kilometer weiter liegen die Mac Mac Pools, natürliche Felsbecken, in denen das Wasser ruhig steht. 

In Sabie dann ein unerwarteter Zwischenstopp: Irgendetwas Großes bewegt sich auf unserem Auto. Beim genaueren Hinsehen entpuppt es sich als eine überdimensionale Spinne, die seelenruhig über das Dach krabbelt. Es dauert eine Weile, bis wir sie sanft, aber bestimmt davon überzeugen können, das Fahrzeug wieder zu verlassen – stets begleitet von der leisen Sorge, es könnte sich um ein giftiges Teil handeln. Später die Entwarnung: eine Rain Spider, beeindruckend groß, aber vollkommen harmlos. Wieder etwas gelernt.

Weiter geht es in einem weiten Bogen über den Long Tom Pass. Benannt nach einem französischen Creusot-Geschütz, das die Buren im Zweiten Burenkrieg gegen die Briten einsetzten, führt der Pass auf 2.150 Meter Höhe, über 26 Kilometer und 66 Kurven durch eine eindrucksvolle Berglandschaft. Immer wieder öffnen sich weite Blicke hinunter ins Lowveld – ein letztes Mal dieses Gefühl von Weite und Freiheit.

Über Mashishing und Dullstroom erreichen wir schließlich die N4 und folgen ihr Richtung Johannesburg. Die Fahrt bleibt ruhig, fast unspektakulär. In Benoni geben wir den alten Toyota zurück. Nicht ohne den Vermietern noch einmal ins Gewissen zu reden wegen der anfänglichen Schwierigkeiten mit dem ersten Fahrzeug. Man hört uns zu, entschuldigt sich und verspricht, es beim nächsten Mal besser zu machen – ein kleines, versöhnliches Schlusswort.

Am Flughafen läuft alles reibungslos. Check-in, Sicherheitskontrolle, Boarding – der Flug ist pünktlich. Als wir abheben, bleibt das Gefühl einer Reise, die reich war an Landschaften, Begegnungen und Momenten, die lange nachwirken werden.

Südafrika, wir kommen wieder.

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